Rezension

„Stille blutet“ von Ursula Poznanski

Stille blutet von Ursula Poznanski ist der Auftakt einer neuen Thriller-Reihe rund um die Wiener-Mordgruppe mit Ermittlerin Fina Plank. Ein Serienmörder treibt sein blutiges Spielchen in der Stadt – das perfide an der ganzen Sache: Seine Opfer kündigen alle öffentlich ihre eigene Ermordung an. Ein Thriller der unter die Haut geht und Nervenkitzel pur verspricht.

Inhalt

Eine bizarre Mordserie hält die Ermittlerin Fina Plank und ihr Wiener-Team in Atem: Bekannte Persönlichkeiten kündigen öffentlich ihre Ermordung an und werden kurz darauf tot aufgefunden. Ganz Österreich und die Medienwelt stehen Kopf, denn der Hashtag #inkürzetot taucht immer häufiger in den sozialen Medien auf. Wie kann man da noch zwischen Fake und Realität unterscheiden? Vor allem der Ex-Freund der ermordeten Fernsehmoderatorin Tibor Glaser gerät unter Verdacht, denn seine Spuren finden sich überall. Gleichzeitig beobachtet unbemerkt ein dritter Spieler das Geschehen und plant seinen eigenen Schachzug.

Meine Meinung

Als großer Fan von Ursula Poznanski war ich sehr gespannt auf ihre neue Thriller-Reihe, die ihren spektakulären Auftakt mit dem Buch Stille blutet feiert. Und ich wurde nicht enttäuscht! Das Buch ist spannend vom Anfang bis zum Schluss und macht definitiv Lust auf die nächsten Bände der Reihe. Denn diesmal wird eine Figur eingeführt, die ab und an zum Leser spricht und seine eigenen düsteren Pläne verfolgt. Diese Figur wird uns über die Reihe hinweg begleiten, sodass es spannend bleibt herauszufinden, was sie im Schilde führt.

„MÖRDER schrie ihm die Hauswand förmlich entgegen, kaum dass er aus dem Haus getreten war. Jemand musste bereits versucht haben, den Galgen wegzuwischen, allerdings ohne Erfolg. Im Gegenteil, nun sah es aus, als würde die Schlinge bluten.“ (S.257)

Hauptfigur der Geschichte ist die Ermittlerin Fina Plank, die ganz neu in der Wiener Mordgruppe ist und ausgerechnet mit dem größten Idioten im Team zusammenarbeiten muss. Doch seiner Provokation und Hänselei zum Trotz beißt sich die junge Ermittlerin durch und ist ihren Kollegen oft bei der Suche nach Spuren des Mörders einen Schritt voraus. Mir war Fina auf Anhieb sympathisch, denn sie ist freundlich und sehr klug. Allerdings ist sie einsam und hat keinen sozialen Ausgleich zum aufreibenden Beruf. Diese Tatsache hat mir bei der Hauptfigur eher nicht gefallen. Generell zeichnen Thriller-Autorinnen und -Autoren ihre ermittelnden Hauptfiguren immer gerne als einsame und sozial leicht inkompetente Wölfe. Vermutlich ist das häufig in der Realität bei der Mordkomission der Fall? Ständig davon zu lesen finde ich auf Dauer jedoch etwas ermüdend.

„Fina lehnte sich an den Türrahmen. Versuchte, erste Details abzuspeichern. Die blutigen Schuhabdrücke zum Beispiel, die quer durch den Raum zur Tür führten und dabei immer blasser wurden.“ (S.25)

Die Mordserie, die die Ermittler quer duch Wien führt, ist in jedem Fall besonders. Denn wer hat schon einmal davon gehört, dass die Opfer ihre Ermordung wissentlich vorab ankündigen? Doch bei TV-Moderatorin Nadine Just oder Blogger Gunther Marzik ist genau das der Fall: Vor laufender Kamera bzw. auf dem Blog verkünden sie, dass sie demnächst tot aufgefunden werden. Wer schmiedet so einen ausgeklügelten Plan, dass die Nachricht, trotz lebensbedrohlichem Inhalt von den Opfern selbst ausgesprochen oder gepostet wird? Mir hat die Idee hinter dieser Mordreihe richtig gut gefallen, denn sie ist neu und sehr aktuell. Die Autorin beweist damit einmal mehr, dass sie moderne Themen aufgreift und diese in einem Überraschungs-Paket für den Leser verschnüren kann.

„Ich hoffe nur, du denkst nicht, du wärst hier auf den Täter gestoßen. Bist du nämlich nicht, ich habe mit keinem der Morde etwas zu tun.“ (S.80)

Ursula Poznanski greift auch politische Themen wie Frauenrechte, Sexismus, Gleichberechtigung von Männer und Frauen und Belästigung am Arbeitsplatz auf. Obwohl ich es gut finde, dass sie auf diese wichtigen Themen aufmerksam macht, gingen mir die Sticheleien und das herablassende Wesen von Finas Gegenspieler, dem Ermittler Oliver, gehörig auf den Geist. Denn es reicht nicht, dass sich die junge Frau in einem Ermittler-Team, das nur aus Männern behaupten muss, sie hat auch noch den gehässigsten und niedersten Menschen als Teamkollegen an ihrer Seite als Teamkollegen, den man sich nur vorstellen kann. Mir tat die Hauptfigur beim Lesen sehr leid, denn sie wird von ihrem Kollegen schlecht behandelt, hört sich sexistische und abwertende Kommentare an und muss trotzdem ruhig bleiben, um ihren Job nicht zu gefährden. Das hat mich so wütend gemacht! Ich bin sehr gespannt, wie es Fina in den nächsten Bänden der Reihe ergeht und hoffe, dass ihre Situation (und damit auch mein Gefühl beim Lesen) sich verbessert.

Fazit & Bewertung

Stille blutet von Ursula Posznanski ist ein toller Thriller, der für viel Gänsehaut und Nervenkitzel sorgt. Trotz oftmals auch politisch schwieriger Themen schaff es die Autorin den Serienmörder noch einmal ganz neu zu erfinden und gleichzeitig unheimlich modern und nah an der Gesellschaft zu sein. Eine klare Leseempfehlung von mir an euch und ich bin gespannt auf die Fortsetzungen.

Eure


Bibliographie

*(Werbung)

Ursula Poznanski: Stille blutet*

Verlag: Knaur

Erscheinungstermin: 01.09.2022

Seiten: 400

ISBN: 978-3426226896

Preis: 16,99 €

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar**

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