Rezension

„Das Chalet“ von Ruth Ware

Nervenkitzel pur! Das verspricht der neue Thriller Das Chalet von Ruth Ware. Ein Luxus-Chalet in den französischen Alpen wird durch eine Lawine von der Außenwelt abgeschnitten. Dann verschwindet ein Gast und weitere werden ermordet aufgefunden. Der Mörder muss sich im Chalet befinden und für die Gäste gibt kein Entkommen. Unheimlich spannend und nervenzerreißend! Ein Thriller ganz nach meinem Geschmack!

Inhalt

Die Mitarbeiter des Social-Media-Unternehmens Snoop haben sich für ein paar Tage in einem verschneiten Luxus-Chalet eingemietet. Eingebettet in die französischen Alpen ist das Chalet normalerweise ein guter Ausgangspunkt für Skitouren. Doch das Wetter wird immer schlechter und die Abfahrten immer gefährlicher. Als die Leiterin von Snoop nicht wieder zum Chalet zurückkehrt, ahnen die anderen Schlimmes. Als dann auch noch eine Lawine das Chalet von der Außenwelt abschneidet, und ein Toter gefunden wird, sind die Gäste in heller Aufregung. Der Mörder muss einer von ihnen sein.

Meine Meinung

Ich bin auf die Autorin Ruth Ware durch ihren Thriller Woman in Cabin 10 aufmerksam geworden. Auf einem Luxusschiff wird eine Frau ermordet, doch es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie überhaupt Passagier auf dem Schiff war. Auch ihr erster, 2017 veröffentlichter Thriller Im dunklen, dunklen Wald konnte mich unheimlich mitreißen, denn ein Junggesellinnenabschied in einer entlegenen Waldhütte entwickelt sich zum mörderischen Alptraum. Seitdem verfolge ich alles, was Ruth Ware veröffentlicht. Inzwischen ist sie Bestsellerautorin und mit jedem Thriller, so auch wieder mit Das Chalet, setzt die Autorin ihre Erfolgsgeschichte fort.  

Vor allem aber denke ich an den Abgrund, der stellenweise nur wenige Meter neben der Piste gähnt, und dass man bei diesen Sichtverhältnissen, mir nichts, dir nichts über die Kante in den Abgrund sausen kann. Genau darum haben sie La Socière auch als erste Piste geschlossen […], weil [sie] zu einer tödlichen Falle werden [kann]. (S. 119-120)

Erzählt wird die Geschichte alternierend aus den Perspektiven der zwei Hauptfiguren Liz und Erin, was den Nervenkitzel erst richtig zum Vorschein bringt! Liz ist ehemalige Mitarbeiterin bei dem Social-Media-Unternehmen Snoop und wurde als Teilhaberin von ihren Ex-Kollegen zu der Auszeit in den französischen Alpen miteingeladen. Erin ist Angestellte im Chalet und pflegt und säubert die Gästezimmer, Wohnbereiche und Pools. Beide Frauen haben wenig gemeinsam, denn Liz ist ängstlich und zurückhaltend und fühlt sich sichtbar unwohl in ihrer Haut und in der Situation, mit ihren ehemaligen Kollegen in einem Chalet in den Alpen festzusitzen. Erin hingegen ist freundlich und aufgeschlossen, doch sie hat eine schwere Vergangenheit, die sie versucht unter Verschluss zu halten. Trotz der Gegensätze ist man als Leser hautnah an beiden Figuren, fiebert mit ihnen mit und kann sich in ihre Gefühle und Gedanken sehr gut hineinversetzen. Durch das regelmäßige Unterbrechen der Gedanken einer Figur und das Hineinschlüpfen in die der anderen, wird die Geschichte unheimlich kurzweilig und spannend.

Nur einer in diesem Raum hatte ein Motiv Eva zu töten. Einer! Jetzt tut doch nicht so, als wäre das nicht wahr!“ Die Stille wird unterbrochen vom Klackern ihrer Absätze auf der Wendeltreppe, als sie in ihr Zimmer läuft. (S. 240)

Das Setting der Geschichte wird schon auf dem Cover sehr gut deutlich gemacht: ein einsames, verschneites Chalet mitten in den Bergen, nur durch Skilifte erreichbar. Da hat man doch direkt Lust einzutauchen, oder? Die Stille, die Kälte und die Abgeschiedenheit machen das Setting vom ersten Augenblick an unheimlich und schnell macht sich beim Lesen eine nervöse Anspannung breit. Natürlich ist durch das Setting die Geschichte ein wenig vorhersehbar: Das Chalet wird von einer Lawine von der Außenwelt abgeschnitten. Hilfe kann nicht geholt werden. Die Menschen müssen ausharren und sind dem Mörder schutzlos ausgeliefert. Das kommt einem bekannt vor, denn die Handlungsabfolge wird in vielen guten Thrillern genauso verwendet. Und dennoch hatte das Chalet als Setting etwas besonderes, denn es ist luxuriös, den Menschen fehlt es an nichts, es gibt viel Platz – aber damit auch ausreichend Platz, sich als Mörder zu verstecken.

Klick. Klick. Klick. Vielleicht liegt es daran, dass ich an die Polizei gedacht habe, und an das, was über uns hereinbrechen wird. Aber plötzlich klingt das Klicken wie eine Uhr, die einen langsamen Countdown herunterzählt. (S. 282)

Die Handlung des Thrillers ist gespickt mit unerwarteten Wendungen und kleinen Höhepunkten, die die Spannung permanent aufrechterhält. Bis zum großen Show Down am Ende des Romans passieren viele unerwartete Dinge und ich habe bis zuletzt vergeblich versucht herauszufinden, wer der Mörder ist. Für mich ist schon allein die Tatsache, dass es mir bis zum Ende nicht gelungen ist, eine brauchbare Theorie darüber aufzustellen, Grund genug, den Thriller als sehr gut durchdacht zu bezeichnen. Auch Ruth Wares Schreibstil kann ich nur loben, denn sie weiß genau, wie man nervenzerreißende Szenen schreibt und den Leser in Atem hält. Auch ihre Dialoge waren an keiner Stelle langweilig oder ausschweifend, sondern immer auf den Punkt und höchst bedeutsam für die Geschichte.

Fazit & Bewertung

Das Chalet von Ruth Ware ist ein toller Thriller, der mich regelrecht vom Hocker gerissen hat. Und ich kann nicht leugnen, dass ich durch dieses Buch meine Leidenschaft für aufwühlende Krimis und Thriller wiederentdeckt habe. Ein meisterhaftes und mörderisch-packendes Buch, das ich daher nur weiterempfehlen kann.

Eure


Bibliographie

Ruth Ware: Das Chalet

Verlag: dtv

Erscheinungstermin: 22.12.2022

Seiten: 416

ISBN: 978-3423263061

Preis: 16,95 €

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar**

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