Rezension

„Royal Blue“ von Casey McQuiston

Kann Liebe die Welt verändern? Das fragen sich der amerikanische Präsidentensohn Alex und der britische Thronfolger Henry, als sie bemerken, dass zwischen ihnen mehr ist als nur Freundschaft. Royal Blue von Casey McQuiston ist ein LGBTQ-Roman mit einer wichtigen Botschaft: Jeder darf lieben wen er will! Royal Romance vom Feinsten und eine Empfehlung für alle, die von einer echten Liebe lesen wollen.

Inhalt

Alex Claremont, der Sohn der amerikanischen Präsidentin, ist charmant, charismatisch und unglaublich sexy. Auf einem Staatsbesuch in England kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Alex und dem englischen Thronfolger Prinz Henry. Die Beziehung zwischen den USA und England verschlechtert sich rapide. Nur eine medienwirksame Versöhnung von Alex und Henry, kann hier den Schaden noch begrenzen. Doch Alex und Henry spüren, dass da noch etwas anderes ist, als bloße Abneigung: Anziehung und Verlangen.

Meine Meinung

Die liebe Anabelle von Stehlblüten hat vor Kurzem auf Ihrem YouTube-Kanal über Wohlfühlbücher gesprochen. Dabei hat sie unter anderem von einem LGBTQ-Roman geschwärmt, der mir danach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte: Royal Blue von Casey McQuiston. Zwei Männer, die ihre Liebe zueinander entdecken und sich dadurch auf ganz neues Terrain begeben: nicht nur persönlich, sondern auch, weil sie medienwirksam sehr groß in der Öffentlichkeit stehen. Schon Anabelles Beschreibung des Romans klang so vielversprechend, romantisch und einfach zum Wohlfühlen, dass ich mir den Roman sofort bestellt habe. Die Liebesgeschichte hat mich einerseits nachdenklich gemacht, weil deutlich wird, mit wie vielen Hindernissen und Vorurteilen homosexuelle Paare immer noch zu kämpfen haben. Andererseits hat sie mein Herz berührt, weil sie so romantisch, ehrlich und liebevoll war. Was mir nicht so gut gefallen hat, war der politische Hintergrund, der immer wieder mitschwang und der Liebesgeschichte dadurch ein wenig ihren Zauber genommen hat.

„Du Arsch“, sagt Henry, seine Stimme bricht, er packt Alex am, Hemdkragen, und Alex weiß, dass er diesen sturen Mistkerl ewig lieben wird. (S. 303)

Protagonist des Romans ist Alex Claremont-Diaz, der Sohn der amerikanischen Präsidentin. Alex weiß eigentlich ganz genau, was er will. Er möchte selbst Politiker werden und nutzt die Wiederwahl seiner Mutter, um sich dafür ebenfalls den Weg freizuräumen. Der erste Eindruck von Alex täuscht: Er wirkt wie ein Macho, karrieregeil und leicht berechnend. Doch seine Schwester June und seine beste Freundin Nora halten ihn auf dem Teppich und sind für ihn Ansprechpartner und wichtige Gefährten während des Wahlkampfes. Dem gegenüber steht Henry. Als ruhiger, etwas schüchterne Sohn der britischen Königin steht er noch mehr im Rampenlicht und hat die Aufgabe, das Royale Familienerbe so gut es geht aufrechtzuerhalten. Alex und Henry könnten gegensätzlicher nicht sein und genau aus dem Grund wirkt ihre Liebe und die Anziehungskraft zwischen ihnen so echt. Ich fand es toll, dass man die Geschichte zwar aus der auktorialen Erzählweise erzählt bekam (etwas gewöhnungsbedürftig!), aber dabei lag der Fokus trotzdem immer auf Alex und auf das, was in ihm vorging.

In den USA sind sie vorsichtiger, und sie gehen getrennt hoch ins Hotelzimmer – Henry auf der Rückseite des Gebäudes flankiert von zwei großen Personenschützern, und später Alex zusammen mit Cash, der grinst. (S. 178)

Das war auch besonders spannend, denn Alex ist derjenige, der sich vorher nie im Traum hätte einfallen lassen, eventuell schwul zu sein. Es gab zwar ein oder zwei Vorfälle in seiner Jugend, die ihn die Richtung hätten weisen können, aber Alex hat sie nicht ernst genommen und teilweise sogar verdrängt. Ich fand es einfach interessant zu erfahren, wie es wohl sein mag, endlich das zulassen zu können, was man wirklich will und endlich den Neigungen nachzugeben, die tief in einem verborgen sind. Aus dem Grund sind das Buch und seine Botschaft wichtig: Es ist nie zu spät für seine sexuelle Orientierung einzustehen, diese auch auszuleben. Denn jeder hat so wie er ist Liebe und Glück verdient. 

Noch nie hat jemand ihn so geküsst, als könnte das Gefühl ihn vollständig verschlingen […]. (S. 156)

Wie ich oben schon erwähnt hatte, gibt es eine Sache, die mir nicht so gut gefallen hat: Alex ist durch seine Mutter in der Politik nich wegzudenken und Henry ist Repräsentant eines Landes. Beide verbindet die Politik und das Wohlergehen ihres Volkes. Als Aufhänger der Geschichte fand ich den Hintergrund ja ganz nett, weil für beide durch ihre Liebe umso mehr auf dem Spiel stand. Trotzdem fand ich vor allem das Wahldebakel in den USA zu überzogen, denn es hat zu sehr von der eigentlichen Liebesgeschichte abgelenkt. So habe ich zum Beispiel gemerkt, dass ich die Passagen, in denen es um die Wiederwahl der Präsidentin ging oft nur überflogen, weil ich sie wirklich uninteressant fand. Ich glaube daher, dass dem Roman noch mehr Liebe und weniger Politik gut getan hätte.

Der Schreibstil der Autorin hat mir gefallen, aber er war auch gewöhnungsbedürftig. Dadurch, dass sie aus der auktorialen Erzählperspektive erzählt hat, war man nicht in den Köpfen der Figuren, auch nicht in der des Protagonisten. Man hatte den Eindruck alles von weit weg zu beobachten und oft die Gefühlswelt der Figuren in sachlichem Ton geschildert zu bekommen. Dennoch fand ich es gleichzeitig recht abwechslungsreich und erfrischend, gerade weil der Schreibstil so außergewöhnlich war.

Fazit & Bewertung

Royal Blue von Casey McQuiston ist ein Roman über schwule Liebe, den ich euch von der Romantik her sehr empfehlen kann. Die politische Klammer der Geschichte hätte es in meinen Augen nicht gebraucht, trotzdem hat der Roman und seine Botschaft mich sehr beeindruckt und gefesselt. Eine Empfehlung für alle, die gerne einmal LGBTQ-Liebesromane lesen möchten oder sich einfach von einer wunderschönen Liebesgeschichte verzaubern lassen wollen.

Eure


Bibliographie

Casey McQuiston: Royal Blue

Verlag: Knaur

Erscheinungstermin: 01.04.2020

Seiten: 464

ISBN: 978-3426526156

Preis: 12, 99€

Vielen Dank an den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar**

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