Rezension

„Das dunkle Herz des Waldes“ von Naomi Novik

Das Herz des Waldes von Naomi Novik ist ein Jugend-Fantasy-Roman der den Leser in eine Welt voller Zauberer und düstere Mächte entführt. Ein dunkler Wald ist hier der Inbegriff des Bösen und das Böse fordert seine Opfer. Jeder, der dem Wald zu nah kommt, wird von einer unheilbaren Krankheit befallen, die sich ausbreitet. Nur einer kann die Macht des Waldes kontrollieren, ein Zauberer, doch sein Preis dafür ist das Leben eines Mädchens… Dieser Fantasy-Roman hat mich die erste Hälfte absolut gefesselt, dann hat meine Begeisterung jedoch stetig nachgelassen.

Inhalt

Agnieska lebt in einem beschaulichen Dorf am Rande eines düsteren Waldes. Der Wald ist ein Hort böser Mächte und Kreaturen und jedermann fürchtet die Schatten zwischen seinen Bäumen. Allein der Zauberer, auch „Drache“ genannt, kann die Macht des Waldes kontrollieren. Doch er fordert einen hohen Preis dafür: Alle 10 Jahre holt er sich ein Mädchen aus dem Dorf und sperrt es in seinen Turm ein Schicksal, das Agnieska nicht für sich akzeptieren kann.

Meine Meinung

Das dunkle Herz des Waldes ist ein Jugend-Fantasy-Buch, das mich aufgrund seines unglaublich vielversprechenden Klappentextes in seinen Bann gezogen hat. Ein Zauberer, der sich alle 10 Jahre ein Mädchen holt und niemand weiß genau, was in den darauffolgenden Jahren mit ihnen geschieht… Spannend, oder doch nicht? Der Auftakt des Buches hat mich auf jeden Fall überzeugen können. Zu aufregend fand ich, was es mit der Entführung der Mädchen auf sich hat und wer der geheimnisvolle Zauberer ist, der sich „Drache“ nennt und die Macht des angrenzenden Waldes kontrollieren kann. Doch leider hat die Spannung nur bis ungefähr zur Hälfte des Romans angehalten. Schade, denn die Geschichte hatte durchaus Potenzial!

Die ganze Nacht lag ich zusammengerollt in meinem Bett und konnte keinen Schlaf finden. Wieder stieg Verzweiflung in mir auf. Aber natürlich wurde es nicht leichter, aus dem Turm zu fliehen, nur weil ich mich noch mehr danach sehnte. (S. 53)

Geschildert wird die Geschichte aus der Sicht der jugendlichen Agnieska, die in einem Dorf am Rande des Waldes aufwächst und mit der ständigen Angst lebt, ihre beste Freundin an den Drachen zu verlieren. Denn üblicherweise werden die schönsten und klügsten Mädchen auserwählt, um 10 Jahre lang beim Drachen im Turm zu leben. Agnieska ist nichts von dem, weder hübsch noch besonders tapfer oder gewissenhaft. Sie ist tollpatschig, nimmt ihr Äußeres nicht allzu ernst und liebt es mit ihrer besten Freundin Kasia im Wald zu sein den Ort, den andere fürchten. Agnieska überzeugt als Heldin der Geschichte bis zu dem Punkt, an dem sie ihre wahre Natur, die Zauberei, in sich entdeckt. Ab dem Moment konnte ich nicht mehr viel mit ihr anfangen, denn sie nimmt auf einmal alles, was sie verwirren müsste und was für sie neu sein sollte, als gegeben hin, was sie nicht wirklich authentisch gemacht hat.

Die Blätter über uns fingen knisternd Feuer. Dann fielen sie zu Boden und hinterließen beißende Aschewölkchen und den widerlichen Gestank der blubbernden, flüssig werdenden Früchte, die über die Äste rannen. (S. 276)

Ich versuche mal zusammenzufassen, was mich an der Geschichte gestört hat [Achtung Spoiler!]. Nicht nur, dass mir Agnieskas Verhalten irgendwann suspekt war, auch ihre Beziehung zum Drachen bleibt undurchsichtig und nicht wirklich einleuchtend. So stößt der Drache sie in jeder Situation von sich, macht sich über sie lustig und ist gehässig, trotzdem fallen beide plötzlich in einer Szene übereinander her, was dann für den Rest des Buches nicht mehr angesprochen wird. Dann wird die Handlung irgendwann nur noch von Kampfhandlungen dominiert, es gibt keine Atempause mehr, keine wirkliche Story, der man folgt. Irgendwann habe ich aufgehört verstehen zu wollen, wer auf wessen Seite steht, wer von dem Bösen befallen ist und gerade aus freien Stücken kämpft und wer nicht. Abgesehen davon fand ich zunächst die Idee von einem bösartigen Wald gut, der ein Eigenleben entwickelt hat und es schafft, die Welt Stück für Stück mit seiner Macht zu überziehen. Aber wie nachher das ganze Geheimnis um den Wald aufgelöst wurde, hat mich dann absolut nicht mehr überzeugen können.

Der Stein murmelte seltsam unter meinen Fingern; es klang wie ein Chor aus tiefen Stimmen. Ich sah genauer hin. Wir hatten mehr als nur Felsen und nackte Erde aufgeworfen. Da waren zerborstene Stücke von behauenen Steinblöcken, die aus der Erde ragten (S. 456)

An sich hat mir der Schreibstil der Autorin gut gefallen. Naomi Novik beschreibt Schauplätze sehr bildreich und detailliert und entwirft wunderbar abwechslungsreiche Settings. Ich hatte aber den Eindruck, dass sie irgendwann zu viel wollte, zu viel Fantasie hatte und zu viele Szenen in die Geschichte quetschen wollte, die dadurch einfach überladen war. Schade, denn so muss ich zugeben, habe ich die letzten 100 Seiten nur noch mit dem Blick auf die Seitenzahl gelesen.

Fazit & Bewertung

Das dunkle Herz des Waldes von Naomi Novik ist ein Jugend-Fantasy-Roman, der leider nicht das hält, was er verspricht. Eine Hälfte des Romans ist spannend, abwechslungsreich, voller düsterer Begebenheiten und interessanter Charaktere, aber der andere Teil der Geschichte kann das leider nicht aufrecht erhalten. Keine Leseempfehlung daher von mir, obwohl die Geschichte durchaus Potenzial hatte.

Eure


Bibliographie

Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes

Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

Verlag: cbj

Erscheinungstermin: 21.11. 2016

Seiten: 576

ISBN: 978-3570172681

Preis: 17,99 €

Vielen Dank an den cbj Verlag für das Rezensionsexemplar**

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