Rezension

„Erebos 2“ von Ursula Poznanski

Erebos 2 von Ursula Poznanski ist die langersehnte Fortsetzung des Jugendthrillers Erebos. Das Computerspiel hat an Intelligenz dazugewonnen und verfolgt einen neuen Plan! Jeder, der ihm in die Fänge gerät, wird zum Spielball einer künstlichen Intelligenz und hat bei Nichtgehorsam viel zu verlieren. So wie Nick, der Erebos schon aus seiner Schulzeit kennt und erneut Opfer dunkler Machenschaften wird. Ursula Poznanski präsentiert uns diesmal einen Thriller, der den Leser wieder in eine virtuelle Welt voller Geheimnisse entführt, der aber leider gleichzeitig nicht die Spannung aufbaut, die man normalerweise von den Büchern der Autorin erwarten kann.

Inhalt

Erebos ist wieder da und diesmal gibt es kein Entkommen! Nick Dunmore kann seinen Augen kaum trauen, als er auf seinem Handy eine App mit dem ihm nur allzu vertrauten Logo von Erebos entdeckt von dem Computerspiel, das an seiner Schule vor 10 Jahre sämtliche Schüler abhängig gemacht und beinahe jemanden getötet hätte. Auch der sechzehnjährige Derek findet das Spiel auf seinem Handy und merkt zu spät, dass er von Erebos zur Spielfigur eines perfiden Plans gemacht wird.

Meine Meinung

Als großer Fan der Bücher von Ursula Poznanski war ich hoch erfreut, als ich erfuhr, dass es von Erebos eine Fortsetzung geben würde. Ausgezeichnet mit dem Jugendliteraturpreis ist Erebos ein hochkarätiger, spannender Jugendthriller, der mich unglaublich in seinen Bann gezogen hat. Mit einigen anderen Bloggern durfte ich dann kurz vor der Veröffentlichung der Fortsetzung mit Ursula Poznanski ein Interview führen und einige interessante Details zum Buch erfahren. Natürlich hat mich das nur umso neugieriger darauf gemacht, was Nick und seine Freunde in diesem neuen Abenteuer um das gefürchtete Computerspiel erwarten würde. Nachdem ich Erebos 2 nun gelesen habe, kann ich sagen, dass der Roman mich mich gut unterhalten konnte. Allerdings reicht die Geschichte von ihrem Spannungsgehalt her bei weitem nicht an den Vorgängerroman heran und leider auch nicht an andere Jugendthriller, die Ursula Poznanski bisher sehr erfolgreich veröffentlicht hat.

Wer Erebos gelesen hat, wird sich darüber freuen können, auch in Erebos 2 wieder bekannten Figuren zu begegnen. Nick Dunmore ist nicht mehr der sechzehnjährige, beeinflussbare Schüler, sondern Fotografie-Student und hält sich mit gelegentlichen Foto-Jobs über Wasser. Er steht mitten im Leben und hat die vergangenen Zeiten, in denen er noch Spielball von Erebos war, hinter sich gelassen. Seine Exfreundin Emily, die im ersten Band noch eine bedeutende Rolle in Nicks Leben gespielt hat, ist zur Randfigur geworden und taucht nur noch selten in dieser Fortsetzung auf. Dafür begegnen wir Jamie, Victor und Speedy wieder, die im ersten Band viel dazu beitrugen, den Schurken hinter Erebos, das Handwerk zu legen. Die Geschichte wird diesmal sowohl aus der Perspektive von Nick, als auch aus der Perspektive einer neuen Figur, dem sechzehnjährigen Schüler Derek, erzählt. Abwechselnd wird in der Geschichte aus deren Sicht, sowie aus der Sicht ihrer virtuellen Spielfiguren Sarius und Torqan erzählt. Dieser Spagat, der zwischen den Welten vollzogen wird, hat mich schon im ersten Buch sehr beeindruckt. Wenn Derek und Nick Erebos spielen, werden sie zu Torqan und Sarius, man erlebt die Spielewelt aus ihrer Sicht, fühlt und leidet mit ihnen. Ursula Poznanski schafft es, die virtuellen Figuren aus dem ersten Band wiederaufzlebenzulassen, und das hat mir sehr gut gefallen!

„Hast du dir schon überlegt, dass das Spiel es auf die Leute abgesehen haben könnte, die es beim letzten Mal haben scheitern lassen? Dass es sich rächen will?“ (S.116)

Der Schauplatz der Geschichte ist wieder London. Hier leben Nick und Derek und gehen zur Uni und zur Schule. Das Setting variiert, spielt mal bei den beiden zu Hause, mal in den Bildungsstätten, mal in Cafés oder Bars. Das eigentlich interessante Setting ist natürlich die Welt in Erebos. Ich fand es toll, wieder mit Sarius durch die verschlungenen Wälder, die Sümpfe und verfallenen Ruinen von Erebos zu streifen. Einige Orte erkennt Sarius wieder, hier ist er auch schon bei seinem ersten Abenteuer gewesen. Vor allen Dingen treffen wir in Erebos aber auf neue Gegner, boshafte Kreaturen und gewalttätige Mitspieler, für die einiges im wahren Leben auf dem Spiel steht. Obwohl Nick um die Gefahren des Spiels weiß, freut er sich in gewisser Weise auch wieder hier zu sein und Figuren zu treffen, mit denen er schon früher Seite an Seite gekämpft hat. Das Setting hat mich, wie ihr merkt, wieder sehr beeindruckt und fasziniert. Obwohl man die Welt schon kennt, ist es trotzdem toll, wieder in ihr eintauchen zu können.

Sarius hat […] noch keinen Kratzer abbekommen, in seinen Ohren kreischt nicht der Verletzungston, sondern er hört Musik. Die Melodie macht ihm klar, dass er nicht verlieren kann, sie spornt ihn an und verkündet schon jetzt seinen Sieg. (S.196)

Nun kommen wir zum unangenehmen Teil, nämlich, was mir nicht gefallen hat. Leider muss ich sagen, dass mir die Auflösung der Geschichte, warum auf einmal auf Nicks Handy wieder eine App von Erebos erscheint, und warum er wieder von ihr gezwungen wird, mitzuspielen, nicht gefallen hat. Ich fand den Aufhänger zu schwach. Leider hat dadurch auch die Spannung im letzten Drittel der Geschichte gelitten, denn die Handlung steuerte auf keinen wirklichen Höhepunkt zu. Hinzukommt, dass mir die technischen Neuerungen, über die Erebos nun als App zusätzlich verfügt und mit denen die App ihre Opfer zum Handeln zwingt, zu unspektakulär waren, als das ich die Geschichte dadurch spannender gefunden hätte. Auch die Mittel, mit denen die App ihre Opfer erpresst fand ich teilweise langweilig. Schade, aber ich glaube das ist einfach der Tatsache geschuldet, dass im ersten Band diese Überwachungs-Methoden neu und ziemlich spannend waren, nun in der Fortsetzung aber durch das Vorwissen des ersten Bandes ihren Reiz verloren haben.

So etwas war Erebos‘ Stil: die Spieler wie Räder in einer großen Maschine ineinandergreifen lassen… damit die Maschine dann am Ende etwas zerstören konnte. Oder jemanden. (S.433)

Ich kann mich an dieser Stelle jedoch nur wiederholen, wie unglaublich ich Ursula Poznanskis Schreibe eigentlich finde! Ich liebe ihre Ausdrucksweise, ihren Schreibstil und ihre Fähigkeit, ihre Leser in ihren Bann zu ziehen. Leider hat es in diesem Band mit der Spannung nicht so geklappt, dafür möchte ich umso mehr die Autorin dafür loben, dass sie unglaublich fesselnde Dialoge schreibt, atmosphärische Settings entwirft und ein Händchen für interessante Figuren hat.

Fazit & Bewertung

Erebos 2 von Ursula Poznanski ist die Fortsetzung des mit dem Jugendliteraturpreis prämierten Buch Erebos. Auch in diesem Band habe ich es geliebt, wieder an den gefährlichen Schauplatz des Computerspiels zu reisen und Figuren zu treffen, die mir schon bei der ersten Geschichte ans Herz gewachsen sind. Leider habe ich diesmal jedoch die Spannung vermisst und war von den technischen Neuerungen des Spiels und der Auflösung der Handlung insgesamt nicht so überzeugt. Als echter Fan von Ursula Poznanski und Erebos ist aber auch diese Fortsetzung ein Muss!

Eure

Weitere Bände


Bibliographie

*(Werbung)

Ursula Poznanski: Erebos 2*

Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

Verlag: Loewe

Erscheinungstermin: 14.08.2019

Seiten: 512

ISBN: 978-3743200494

Preis: 19,95 €

Vielen Dank an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar**

 

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