Rezension

„Modermoor Castle – Die Jagd nach dem verschwundenen Löffel“ von Chris Priestely

Der Autor Chris Priestley ist vielen vielleicht durch seine gruseligen Kurzgeschichtenbände bekannt, von denen Onkel Montagues Schauergeschichten den Auftakt bildet. Die Jagd nach dem verschwundenen Löffel ist nun der erste Band einer skurril komischen Kinderbuchreihe, die auf dem Internat Modermoor Castle spielt, einer Schule für nicht besonders helle und nicht sehr reiche Kinder. Ein verschwundener Silberlöffel bringt die Schüler in helle Aufruhr, denn wenn sich der Dieb nicht findet, werden die Weihnachtsferien gestrichen! Klar, dass die Freunde Mufford und Sponge nun alles dafür tun, das Rätsel aufzuklären. Ein herrlich verworrenes und insgesamt sehr ausgeklügeltes Buch, das mich gut unterhalten konnte.

Inhalt

Mufford und Sponge sind beste Freunde und gehen zusammen auf das Internat Modermoore Castle, der Schule für nicht besonders helle Kinder. Als Mufford und Sponge auf dem Schulgelände einen Wikinger sehen und auf dem Dachboden ein Werwolf auftaucht, wird ihnen klar: Etwas geht ganz und gar nicht mit rechten Dingen zu auf Modermoor Castle. Ob das etwas mit dem verschwundenen silbernen Löffel zu tun hat, dem wertvollsten Eigentum der Schule? Mufford und Sponge machen sich auf, den Dieb zu fassen und geraten dabei nicht nur in Gefahr, sondern auch in einen Strudel der Zeit.

Meine Meinung

Chris Priestley ist für mich der Meister der Schauergeschichten. Ich habe seine drei Kurzgeschichtenbände Onkel Montagues Schauergeschichten, Schauergeschichten aus dem Schlund des Tunnels und Schauergeschichten vom schwarzen Schiff verschlungen und mich so sehr gegruselt, wie es oft kein Thriller bei mir auszulösen vermag. Die Geschichten richten sich an Kinder, bilden also harmlose Schauergeschichten und trotzdem haben sie den nötigen Gruseleffekt, den auch Erwachsene nicht kalt lässt. Klar, dass ich mir etwas von diesem Grusel auch in der neuen Reihe rund um Modermoor Castle erhofft hatte. Doch eins muss man ganz klar sagen: Wer den schaurigen Effekt sucht, den Chris Priestleys Kurzgeschichtenbände noch beinhaltet haben, sucht bei diesem Reihenauftakt vergeblich danach. Ich fand es zu Beginn schade, auf Chris Priestleys bizarre und abgefahrene Geschichten verzichten zu müssen, doch hatte mich die Geschichte trotzdem schnell in ihren Bann gezogen.

Mufford und Sponge sind die Hauptfiguren der Geschichte und haben gleichermaßen Anteil an ihr. Sie sind Schüler auf Modermoor Castle, nicht gerade die hellsten Köpfe, dafür aber die besten Freunde. Toll ist, dass das Buch mit einer kurzen Vorstellung aller beteiligten Personen beginnt, sodass man durch die witzigen Illustrationen des Autors direkt ein Bild der Figuren vor Augen hat. Mufford und Sponge könnten vom Aussehen her nicht unterschiedlicher sein und auch ihre Namen haben eine ganz besondere Herkunft. Mufford ist der Spross der alten Familie Muffords, aber nicht so muffig wie der Rest seiner Sippe. Sponge ist der Spross der Spongely-Partworks und öfter ein bisschen schwammig im Kopf. Jede Figur in der Geschichte hat zwar englische, dafür aber sprechende Namen, wodurch oft schon der einzigartige und witzige Charakter der Figur verdeutlicht wird. Trotzdem fand ich es schade, dass die Namen nicht übersetzt wurden, denn Kindern ab 10 Jahren ist in meinen Augen nicht zuzumuten, den Witz hinter den englischen Namen auf Anhieb zu verstehen.

Mufford und Sponge hätten eigentlich nun Physikunterricht gehabt. Doch da Mr. Particle so plötzlich verstorben war, nutzten sie die Zeit und spazierten durch die Schule, um die Lehrer bei der Erfüllung ihrer Pflichten zu beobachten. (S. 64)

Mufford und Sponge haben nicht nur einen Grund, um dem Rätsel des verschwundenen Löffels auf die Spur zu kommen, sondern gleich mehrere. Sie wollen zwar verhindern, dass die Weihnachtsferien ausfallen, doch sie wollen auch herausfinden, warum in der Schule plötzlich Gespenster gesichtet werden und ihr Geschichtslehrer Mr Luckless auf einmal aufblüht und seine Schüler für sein Fach begeistern kann. All dem gehen Mufford und Sponge nach. Auch wenn sich ihre Wege oftmals trennen, ist doch jedes Erlebnis der beiden Teil einer Kette von vorherbestimmten Ereignissen. Um hier nicht mehr verraten zu wollen, kann ich nur eins sagen: Mufford und Sponges Ermittlungen führen zum puren Chaos, dass nur sehr schwer wieder entwirrt werden kann. Als Leser macht es einfach Spaß, die beiden dabei zu beobachten, heillose Verwirrung zu stiften, um dann letztlich natürlich dem großen Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Mufford wollte gerade zurück zur Zeitmaschine gehen, da fiel ihm etwas auf: Da jetzt eine frühere Zeit herrschte als die, in der er aufgebrochen war, würde sich ihm vielleicht die Möglichkeit bieten, den Schullöffeldieb auf frischer Tat zu ertappen. (S. 148)

Ganz klar ist dieses Buch keine zeitgenössische Internatsgeschichte, sondern eine ins fantastische abdriftende Erzählung, die skurrile und realistische Elemente miteinander mixt. Oft hätte ich mir gewünscht, dass das Fantastische mehr dominiert, um dadurch vielleicht den Gruseleffekt zu erhöhen, denn so war ich mir oft unsicher, ob die Schüler sich vieles nur einbilden oder gar träumen, oder ob es der Wirklichkeit entspricht. Doch auch so hat mich die Geschichte mit einem soliden und spannenden Handlungsbogen überzeugt: Schule, Mystery und Freundschaft machen das Buch zu einem spannenden Abenteuer, sodass auf jeden Fall auch die kommenden Bände noch viel Spaß versprechen werden.

„Ach, ich fürchte, im Verlauf der Zeit landen wir alle in der Besteckschublade der Geschichte, Sponge.“ Sponge nickt ernst. „Ja, da hast du wohl Recht.“ Das gab den Jungs noch eine Weile zu denken. (S. 223)

Dass die Schüler von Modermoor Castle allesamt nicht besonders helle sind, wird schon im Klappentext angedeutet. Vielmehr besitzt jede Figur für sich seine eigene, besondere Art von Intelligenz. Nicht selten haben mich mache Aussagen und Sprüche von Mufford und Sponge zum Schmunzeln gebracht, denn sie waren tiefgründiger als auf dem ersten Blick gedacht. Generell kann man sagen, dass der Autor Chris Priestley seine Figuren einen ganz eigenen Charakter gibt, der wiedererkennbar und einprägsam ist. Diese Züge einer jeden Figur zeigen sich auch in den herrlichen Illustrationen des Autors, die das gesamte Buch durchziehen. Ich liebe seinen Zeichenstil und würde mir wünschen, dass Chris Priestley in naher Zukunft mal ein ganzes Bilderbuch illustriert. Ein gruseliges, bitte sehr.

Fazit & Bewertung

Die Jagd nach dem verschwundenen Löffel von Chris Priestley ist der unterhaltsame und nette Auftakt der Kinderbuchreihe, in welcher das gruselige Internat Modermoor Castle und seine ganz besonderen Schüler im Mittelpunkt stehen. Obwohl meine Erwartungen auf eine schaurig skurrile Geschichte, ähnlich der Kurzgeschichten von Chris Priestley, nicht erfüllt wurden, habe ich die Geschichte genossen, sodass ich auf jeden Fall auch sehr gerne die Fortsetzung lesen werde (die übrigens am 22. Mai 2019 erscheint, s.u.).

Eure

Weitere Bände

Weitere Meinungen

„Ich für meinen Teil musste teilweise wirklich laut lachen, teilweise war mir der Humor aber doch zu skurril. Und nicht nur der Humor ist skurril, auch die Geschichte ist teilweise abgedreht und überspitzt.“ (Hörnchens Büchernest)

„Ich habe Mufford und sein Freund Sponge gerne auf ihren Abenteuern begleitet, Langeweile kam keine auf. Die eine oder andere Szene fand ich nicht ganz so toll. Aber dafür gab es auch andere, die mir sehr gefallen haben bzw. eine schöne Botschaft hatten.“ (Weinlachgummis Naschtüte)


Bibliographie

*(Werbung)

Chris Priestley: Modermoor Castle – Die Jagd nach dem verschwundenen Löffel*

Altersempfehlung: Ab 10 Jahren

Verlag: FISCHER Sauerländer

Erscheinungstermin: 26.09.2018

ISBN: 978-3737356060

Seiten: 272

Preis: 14,00 €

Vielen Dank an den FISCHER Sauerländer Verlag für das Rezensionsexemplar**

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