Rezension

„Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht“ von Jessica Fellowes

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die aus Armut und Elend entflieht und eine Anstellung als Kindermädchen bei einer der berühmtesten und skandalumwobensten Familien Englands erhält. Die Mitfords waren eine echte, aristokratische Familie der Nachkriegszeit und ihre sechs Töchter sind nun Teil dieses fiktiven Romans von Jessica Fellowes. Als Schwester des bekannten Downton Abbey-Drehbuchautors Julian Fellowes hat Jessica Fellowes mit ihrem Roman den Stil der beliebten Serie aufgegriffen und eine Mischung aus historischem Roman und Krimi erschaffen, der mich trotz Längen gut unterhalten konnte.

Inhalt

London, 1920. Für Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie erhält eine Anstellung als Kindermädchen bei den Mitfords, einer herrschaftlichen und skandalumwobenen Familie in London. Auf Mitford Manor lernt sie die älteste Tochter der Familie, die 17-jährige Nancy kennen und wird schnell zu ihrer engsten Vertrauten. Als am helllichten Tag Florence Nightingale Shore, eine Freundin der Familie Mitford, im Zug ermordet aufgefunden wird, beschließen Louisa und Nancy eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell finden sie heraus, dass im Krieg wohl gehütete Geheimnisse nun nicht länger im Verborgenen bleiben.

Meine Meinung

Als großer Downton Abbey-Fan liebe ich es in Geschichten einzutauchen, die in den britischen Adelskreisen der goldenen 20er Jahre angesiedelt sind. Von dem ersten Band der Reihe um die Schwestern von Mitford Manor habe ich so viele positiven Besprechungen gelesen, dass ich nicht umhin konnte, dieses Buch in meinem Regal stehen zu haben! In Erwartung eines Romans voller spannender Intrigen, einer Atmosphäre der Blütezeit der 20er Jahre und einer mysteriösen Familiensaga hat mich der Auftakt der Reihe nicht enttäuscht. Trotzdem hat die Geschichte zwischendurch ein bisschen auf der Stelle getreten, sodass ich mir noch mehr verschiedene Handlungsstränge und interessante Wendungen gewünscht hätte. Trotzdem haben mich der Kriminalfall, die Atmosphäre des Settings und die Charaktere überzeugt, sodass ich auf jeden Fall auch die nächsten Bände lesen werde.

Ihre Schönheit war noch ein zierliches Pflänzchen gewesen, als Louisa sie zuletzt gesehen hatte, doch nun war sie voll erblüht, ein atemberaubender Anblick, prächtig und zart zugleich, wie ein Kristallleuchter. (S. 21)

Der Autorin gelingt es mühelos, ihre Leser schon mit dem Einstieg in die Geschichte zu fesseln. Wie so häufig in einem guten Kriminalroman setzt die Geschichte mit den letzten Momenten im Leben des Opfers ein. Allein das hat mich unglaublich neugierig auf die Geschichte gemacht, die ja eine Mischung aus historischer Realität und Kriminalfall zu sein versprach. Aber nicht nur der Einstieg ist in diesem Roman sehr gut gelungen, oft benötigt Jessica Fellowes nur wenige Worte, um das Ende eines Kapitels mit einem ziemlich guten Cliffhanger zu versehen, sodass man gezwungen ist weiterzulesen. So konnten Längen, die die Geschichte durchaus immer wieder mal aufweist, trotzdem gut überbrückt und die Spannung gehalten werden. Vor allem am Ende nimmt die Geschichte noch einmal gut Fahrt auf, sodass ich das Buch kaum auf Seite legen konnte. Auch die Auflösung ist gelungen und kam für mich so überraschend, dass ich absolut zufrieden war und auch nach dem Lesen immer wieder sehr gerne an die Geschichte zurückgedacht habe.

Langsam setzte sich der Zug in Bewegung und nahm kontinuierlich Fahrt auf, bis er kurz vor dem ersten Tunnel seine Höchstgeschwindigkeit erreicht hatte. Es war das letzte Mal, dass Florence Nightingale Shore lebend gesehen wurde. (S. 15)

Die Protagonistin Louisa ist eine mittellose Wäscherin aus einem Londoner Vorort. Um sich und ihre Mutter finanziell über Wasser zu halten, ist Louisa aufs Stehlen und oft auch auf das Wohlwollen ihres Onkels angewiesen. Als dieser seinen Gläubigern jedoch Louisa als Bezahlung seiner Schulden anbietet, läuft Louisa davon und erhält die Chance, ein neues Leben als Kindermädchen auf dem herrschaftlichen Sitz von Mitford Manor zu beginnen. Mich konnte Louisa als Heldin der Geschichte überzeugen! Durch ihre Herkunft und ihre Lebensgeschichte ist sie die ideale Repräsentationsfigur der gesellschaftlichen Umstände dieses oftmals gar nicht so goldenen Zeitalters der 20er Jahre. Manche Entscheidungen von Louisa habe ich ab und an als naiv und dumm empfunden, jedoch habe ich auch gemerkt, dass ich mir oft ihr Alter, ihre zarten 19 Jahre, in Erinnerung rufen musste, um ihre Beweggründe und Motive nachzuvollziehen. Umso besser hat es mir gefallen, dass ihr eine intelligente junge Frau, die älteste Schwester der Mitfords, als Freundin zur Seite gestellt wurde, um mit ihr dem Kriminalfall gemeinsam auf den Grund zu gehen.

„Ich erwarte Sie um 17 Uhr zum Tee gemeinsam mit den Kindern.“ Mit einem unmerklichen Nicken wurde Louisa entlassen. Das ist es also, dachte sie. Die große Wende in meinem Leben. (S. 79)

Auch nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich mich gefragt, warum die Romanreihe Die Schwestern von Mitford Manor lautet, denn abgesehen von der ältesten Schwester Nancy Mitford, die Louisas Vertraute auf Mitford Manor wird, spielen die anderen Töchter in der Geschichte kaum bis gar keine Rolle. Auch ist es verwunderlich, dass die Protagonistin nicht die älteste Schwester, sondern deren Kindermädchen ist, die gar nicht zur Familie Mitford gehört. Da die Reihe aber wie ich gelesen habe so fortgesetzt werden soll, dass die nächsten Bände jeweils eine andere Schwester als Hauptfigur haben, bin ich sehr gespannt auf weitere Umsetzung.

Fazit & Bewertung

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht ist der spannende Reihenauftakt von Jessica Fellowes historischer Familiensaga über die britische Adelsfamilie Mitford. Trotz Längen konnte mich die Geschichte fesseln und für die Atmosphäre und den Flair der goldenen 20er Jahre begeistern. Der Roman ist vor allem für Fans von historischen Kriminalromanen, Familiensagen und Downton Abbey sehr zu empfehlen! Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die Fortsetzungen der Reihe und darauf, die Schwestern der Familie als Protagonistinnen kennenzulernen.

Eure


Bibliographie

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Jessica Fellowes: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht*

Verlag: Pendo

Erscheinungstermin: 04.09.2018

ISBN: 978-3866124523

Seiten: 496

Preis: 16,99 €

Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar**

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2 Kommentare zu „„Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht“ von Jessica Fellowes

  1. Guten Abend Svenja,

    ich habe das Buch noch auf meinem Ereader und überlege schon eine Weile, wann ich es denn mal lese. Deine Rezension klingt toll. Vielleicht sollte ich einfach mal loslegen bevor demnächst bereits Teil 2 erscheint.
    Beste Grüße
    Chrissi

    1. Liebe Chrissi,
      dasselbe habe ich mir auch gedacht, es lag doch schon recht lange auf meinem SuB, aber ich wollte es nun unbedingt lesen bevor der zweite Band erscheint :) Ich freue mich auf jeden Fall, von dir zu erfahren, wie du es fandest!
      Viele Grüße,
      Svenja

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