Rezension

„Das Mädchen, das die Bücher retten wollte“ von Klaus Hagerup

Welcher Buchliebhaber kann schon an diesem Titel vorübergehen? Das Mädchen, das die Bücher retten wollte von Klaus Hagerup ist ein kleines Liebesgedicht an all die tollen Geschichten, die immer öfter vergessen werden. Bücher in Bibliotheken zum Beispiel, die niemand mehr ausleiht. Anna hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bücher zu retten und beschließt die Bücher bei sich aufzunehmen bis sie auf eine ganz besondere Geschichte stößt, deren Ende fehlt. Eine kurzweiliges Vorlesebuch mit tollen Illustrationen über die Liebe zu den Büchern! Warum mich manche Dinge jedoch nicht überzeugen konnten, erfahrt ihr in dieser Rezension!

Inhalt

Anna liebt es, in die Bibliothek zu gehen und sich von den Geschichten in fremde Welten tragen zu lassen, neue Freunde zu finden und auf Feinde zu treffen. Doch was passiert eigentlich mit den Büchern, die niemand mehr aus der Bibliothek ausleiht? Als Anna erfährt, dass diese Bücher vernichtet werden sollen, steht für sie fest: Die vergessenen Bücher müssen gerettet werden!

Meine Meinung

Das Mädchen, das die Bücher retten wollte hat mich schon auf dem ersten Blick angesprochen, denn welche Leseratte, deren Herz für Bücher, und vor allem für alte und gebrauchte Bücher schlägt, findet sich nicht in diesem Titel wieder? Schon beim Aufschlagen des Buches zeugen jedoch farbenfrohe und sehr filigrane Illustrationen der Illustratorin Lisa Asiato davon, dass dieses Buch nicht unbedingt in erster Linie Kinder als Zielgruppe ansprechen soll. Denn das Buch ist vordergründig ein Appell für das Lesen an sich, auch dafür, Bücher nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sich wieder intensiv mit Geschichten auseinanderzusetzen und vor allem dafür, wieder mehr Zeit mit dem geschriebenen Wort zu verbringen.

Die Geschichte stellt sich mutig entgegen jene Prognosen, die die Buchbranche derzeit beschäftigt: Kinder lesen immer weniger. Sie sind nicht mehr in der Lage, sich auf längere Texte zu konzentrieren, sodass ihre Aufmerksamkeitsspanne höchstens noch für Texthäppchen reicht. Mit dem Hintergrundwissen ist Das Mädchen, das die Bücher retten wollte für mich ein sehr intensives Buch gewesen, jedoch keins das ich unbedingt weiterverschenken würde (Achtung Spoiler).

„Gibt es Bücher, die niemand ausleiht?“, fragte Anna. „Oh ja, ziemlich viele sogar.“ „Wieso leiht sie den niemand aus?“ „Weil viele Leute nicht wissen, was ihnen entgeht“, sagte Frau Minden leise. (S.10)

Natürlich mochte ich die Protagonistin Anna sehr, denn in ihr finde ich mich wieder. Würde ich erfahren, dass Bücher vernichtet werden sollen, nur weil sie niemand mehr lesen möchte, täte mir das ebenso sehr im Herz weh wie Anna. Doch die Realität sticht aus jedem Wort der Geschichte hervor: Menschen lesen nicht mehr und die Helden vieler Bücher geraten in Vergessenheit. Doch die Motivation der Protagonistin, an diesem Zustand etwas zu ändern, fand ich in der Geschichte etwas dürftig. Schön hätte ich es gefunden, wenn Anna aktiv zur mutigen Retterin der Bücher geworden wäre, dabei hilft, die Bibliothekt wieder für junge Menschen ihres Alters attraktiv zu machen, indem sie beispielsweise Geschichten weiterempfiehlt und sich dafür stark macht, dass Kinder sich wieder an Bücher herantrauen. Doch es ist eher der Zufall, der Anna letztlich zur Retterin der Bücher werden lässt. Denn sie findet ein Buch, das kein richtiges Ende hat und schafft es darüber, Menschen wieder für Bücher zu begeistern, indem sie bei ihnen den Wunsch weckt, das Ende zu kennen. Dieser Zufall war für mich als Motivation für die Geschichte etwas zu wenig.

Wenn die Bücher, die niemand las, vernichtet wurden, dann wurden auch die Menschen in ihnen ausgelöscht. Wie ein Blatt im Herbst. Ein verwelken des Blatt. (S.14)

Die Idee und die Vorstellung, dass die Figuren aus Geschichten ausgelöscht werden, wenn ihre Bücher nicht gelesen werden, hat mir dagegen wieder äußerst gut gefallen. Ein bisschen hat mich das auch an das Konzept der Tintenherz-Trilogie von Cornelia Funke erinnert, bei der Menschen die magische Fähigkeit besitzen, Figuren aus Bücher herauszulesen und wieder zu vernichten, indem sie die Geschichte einfach umschreiben. Ein bisschen unbefriedigt war ich allerdings von dem Ende der Geschichte, das nicht wirklich aufgelöst wurde und vor allem für Kinder nur schwer nachvollziehbar ist. Ohne zu viel verraten zu wollen, kann man sich als Leser im Grunde am Ende selbst überlegen, warum das Buch, das Anna zufällig in dem Stapel ungeliebter Bücher der Bibliothek findet, kein Ende hat. Vielleicht kann man das allerdings wieder als Parallele dafür sehen, dass in der Realität ein Ende des Buches noch nicht ausgeschlossen werden kann. Werden wir es in Zukunft schaffen, wieder mehr Menschen für das Lesen zu begeistern? Oder werden die Bücher unserer Bibliotheken das Schicksal erleiden, das Anna in dieser Geschichte noch verhindern kann? Viele Fragen bleiben offen, was für mich auch wieder ein Zeichen dafür ist, dass die Intention des Autors der Geschichte nicht darin bestand, junge Leser für sein Buch anzusprechen.

Das Buch hatte nur noch eine einzige Seite. Anna holte tief Luft. Und blätterte um. Aber dort stand nichts. Die Seite war leer. Das Ende war verschwunden. (S. 28f.)

Die Illustrationen und der Zeichenstil von Lisa Asiato sind in jedem Fall etwas Besonderes! Ihre Bilder wirken zwar recht erwachsen und hochwertig, trotzdem sind sie verspielt und witzig und passen meiner Meinung nach sehr gut zur Geschichte.

Fazit & Bewertung

Das Mädchen, das die Bücher retten wollte von Klaus Hagerup ist eine Geschichte, die das Herz eines jeden Buchliebhabers trifft. Trotzdem war für mich die Motivation der Hauptfigur nicht ausreichend genug und auch das Ende war eher enttäuschen als erhellend. Da das Buch tiefgreifende Probleme der Buchbranche anspricht war es für mich sehr intensiv und interessant. Spannende Unterhaltung und Spaß für jüngere Leser werden dabei jedoch hintenan gestellt.

Eure


Bibliographie

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Klaus Hagerup: Das Mädchen, das die Bücher stehen wollte*

Altersempfehlung: Ab 7 Jahren

Verlag: Woow Books

Erscheinungstermin: 31.08.2018

ISBN: 978-3961770229

Seiten: 64

Preis: 14,00 €

Vielen Dank an Woow Books für das Rezensionsexemplar**

 

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4 Kommentare zu „„Das Mädchen, das die Bücher retten wollte“ von Klaus Hagerup

  1. Hallo Svenja,

    schade, dass das Ende so offen gehalten wird. Wirklich. Gerade bei Geschichten, die so wundervoll illustriert sind, sollte es passen. Ein Happy End zum Beispiel.

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Liebe Tina,
      ja, das fand ich auch schade. Es ist ein sehr künstlerisches Buch, sodass es wieder passt, aber das ist einfach nicht meine Erwartung von einem Vorlesebuch für Kinder. Aber gut, dass du es ähnlich siehst.
      Liebe Grüße,
      Svenja

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