Rezension

„Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ von Petra Hülsmann

Meine diesjährige Urlaubslektüre! Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen von Petra Hülsmann ist eine herrlich unterhaltsame Geschichte  perfekt, um abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Obwohl mich die Story an vielen Stellen an die Filmreihe Fack Ju Göhte erinnert hat, habe ich den Witz und den lockeren Schreibstil der Autorin durchweg genossen. Mit den Romanen von Petra Hülsmann kann man nie etwas falsch machen, sie sind sehr nah am Leben, dabei humorvoll und stets amüsant. Denn auch die Liebesgeschichte ist in jedem Fall etwas fürs Herz, sehr authentisch und romantisch, ohne dabei kitschig zu werden.

Inhalt

Musikleherin Annika ist geschockt: Sie soll nach den Ferien an die schlimmste Brennpunktschule Hamburgs versetzt werden. Womit hat sie das verdient? Dabei hatte sie sich doch die letzten Jahre an ihrer Traumschule im Elbvorort so schön eingerichtet und auf ihrem Job ausgeruht. Und jetzt sollte sie Kids unterrichten, die lieber auf Youtube rumhangen als Hausaufgaben zu machen! Eine Idee musste her eine Idee, die ihr ganz bestimmt dabei helfen würde, an ihre alte Schule zurückzukehren. Annika beschließt eine Musical-AG zu gründen, und mächtig Eindruck zu schinden. Dumm nur, dass ihre Schüler sich als völlig talentfrei herausstellen und Annika ihre erste große Liebe, Tristan, um Hilfe bitten muss.

Meine Meinung

Petra Hülsmann, die ich inzwischen gerne als die Sophie Kinsella Deutschlands bezeichne, hat mit ihrem Roman Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen einmal mehr gezeigt, wie amüsant alltägliche Geschichten sein können. In ihrem inzwischen fünften Frauenroman setzt sie ihre Erzählungen über junge Frauen, die meist im Alter zwischen 25 und 30 sind, fort und hat, wie zu erwarten, enormen Erfolg! Mir hat schon ihr erster Roman Hummeln im Herzen gut gefallen, und auch ihre Romane Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen und Das Leben fällt, wohin es will warten im Regal sehnsüchtig darauf, von mir gelesen zu werden. Meiner Meinung nach sind Petra Hülsmanns Romane eine wunderbare Lektüre für Zwischendurch, nicht wahnsinnig brilliant, dabei aber oft urkomisch und wirklich realitätsnah.

Musiklehrerin Annika ist als Protagonistin der Geschichte eine Figur, bei dir es mir nicht sehr schwer viel, mich mit ihr zu identifizieren. Sie ist Mitte Zwanzig, Single, wohnt mit ihrer besten Freundin in einer WG, ist noch nicht allzu lange in ihrem Job und genießt ihr ruhiges und gemütliches Leben. Annika ist sympathisch, nicht übereifrig aber gewissenhaft und daher als Hauptfigur auf dem ersten Blick eher unspektakulär. Doch ihr Leben gerät aus dem Fugen, als ihr Chef ihr offenbart, dass sie an eine Problemschule versetzt wird. Das geheuchelte Mitleid ihrer Kollegen, die froh waren, nicht selbst versetzt zu werden, fand ich richtig amüsant. Für Annika ist die Vorstellung von einer Versetzung allerdings der blanke Horror. Annika, die es sich in ihrem Job gemütlich gemacht hat, muss nun Teenager unterrichten, die vollkommen andere Ansprüche und Lernniveaus haben, als sie bisher kannte. Vor allem Annikas neu entflammter Ehrgeiz, alles dafür zu tun, dass sie wieder an ihre alte Schule zurück kann, fand ich klasse und hat der Geschichte einen spannenden Einstieg verschafft.

„Wir haben Sie ja auch sehr gern bei uns. Aber unterm Strich bin ich der Meinung, dass Ihnen diese Herausforderung gut tun und Sie sowohl beruflich als auch menschlich unheimlich weiterbringen wird. […]“ Noch immer hoffte ich, dass gleich mein Wecker klingeln und mich aus diesem Albtraum befreien würde. (S. 15)

Das Setting des Romans ist sehr abwechslungsreich und damit wirklich ansprechend. Ich fand es toll, mich gedanklich in eine schöne Altbauwohnung in Hamburg versetzen zu lassen, in der Annika mir ihrer besten Freundin lebt und ständig Besuch von ihren beiden Nachbarn bekommt, die als Gegenleistung für gelegentliche, handwerkliche Arbeiten, gerne bei den beiden Freundinnen zu Mittag essen. Dann ist der Schauplatz wieder die Problemschule, in der Annika nun eine Musical AG auf die Beine stellt und daher viel Zeit in der Aula mit der Theaterbühne verbringt. Immer wieder wird die Handlung aber auch an die Elbe verlegt, wenn Annika und ihre Freunde nach getaner Arbeit gemeinsam zusammen den Tag ausklingen lassen. Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der in Hamburg spielt, umso mehr habe ich die verschiedenen Settings genossen und wieder Lust gehabt, selbst in die Stadt an der Elbe zu reisen.

Mein Herz setzte einen Schlag lang aus, und augenblicklich fing es in meinem Magen an, unangenehm zu kribbeln. Tristan fragen? Als wäre mir der Gedanke nicht schon selbst gekommen. Als hätte ich nicht in den vergangenen Tagen immer wieder sein Gesicht vor mir gesehen. (S. 162)

Weil sie die Musical AG alleine kaum gestemmt bekommt, holt sich Annika, nicht ganz uneigennützig, noch andere Lehrer und Freunde mit ins Boot. Nur mit dem Ziel: So schnell wie möglich wieder von dort weg zu sein! Aber ihre wahren Pläne darf sie so natürlich niemandem verraten. Als ihre Mutter auf die Idee kommt, dass Annika ihre erste große Liebe, den Theaterregisseur Tristan um Hilfe bitten könnte, ist Annika zuerst wenig begeistert. Denn was gibt es Schlimmeres, als jemanden um Hilfe zu bitten, der einen einst übel abblitzen ließ? Ab dem Punkt fand ich die Story zwar sehr vorhersehbar, trotzdem, wollte ich wissen, auf welchen Höhepunkt sie hinauslief. Schön war auch, dass die Autorin immer wieder spannende und überraschende Wendungen eingebaut hat, die die Vorhersehbarkeit unterbrochen und die Geschichte aufgelockert haben. Tristan ist als Figur eher unscheinbar, und wenn er auftrat, dann war er nicht wirklich sympathisch. Das legt aber den Fokus auf eine andere Figur, die in Annikas Leben ebenfalls eine immer wichtigere Rolle spielt.

„Das schaffen wir schon.“ Ich wusste nicht, ob ich ihn oder mich selbst davon überzeugen wollte. „Woher nimmst du nur diesen Optimismus?“ „Tja. Wenn wir unsere Träume nicht mehr haben, was bleibt uns denn dann? Dann haben wir doch gar nichts mehr.“ (S.252)

Was mir sehr gut gefallen hat und was mich auch an Fack Ju Göthe erinnert hat: die Jugendlichen, die Annika betreut, besitzen alle ihren eigenen Charme, egal aus welchem familiären Umfeld oder welchen sozialen Verhältnissen sie stammen. Sie sind auf ihre besondere Art einzigartig, witzig, bewundernswert und nicht so asozial, wie sie oft von der Gesellschaft abgestempelt werden. Mir sind die Schüler, ebenso wie bei der Filmreihe Fack Ju Göhte, schnell ans Herz gewachsen. Und auch aufgrunddessen, könnte ich mir vorstellen, dass wir ihnen, vielleicht in dem ein oder anderen Roman von Petra Hülsmann wiederbegegnen (einen Kniff, dem sie häufiger schon mal bei einem gewissen Hamburger Urgestein und Taxifahrer anwendet).

Fazit & Bewertung

Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen von Petra Hülsmann, ist ein unterhaltsamer und witziger Roman, der durch seine sympathische Hauptfigur, tolle Settings und überraschende Wendungen im Plot punktet. Weniger gut hat mir die Vorhersehbarkeit und teilweise Einfachheit der Story gefallen, aber der Roman ist definitiv eine schöne Lektüre für Zwischendurch und ideal für Fans von Sophie Kinsella.

Eure


Bibliographie

*(Werbung)

Petra Hülsmann: Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen*

Verlag: Bastei Lübbe

Erscheinungstermin: 25.05.2018

ISBN: 978-3404176908

Seiten: 576

Preis: 11,00€

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar**

3 Kommentare zu „„Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ von Petra Hülsmann

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