Rezension

„Wild Horse Valley“ von Kyra Dittmann

Wer die Bücher um den wilden Hengst Ostwind verschlungen hat, wird Wild Horse Valley lieben! Ohne selbst großer Pferdenarr zu sein, ziehen mich diese Geschichten über Wildheit, Freiheit und Natur irgendwie in ihren Bann. Wild Horse Valley von Kyra Dittmann erinnert zwar an einigen Stellen an die inzwischen mehrfach verfilmte Ostwind-Reihe, trotzdem konnte mich die Geschichte mit ihrem fantasievollen Schloss-Setting, den interessanten Charakteren und einer spannenden Story überzeugen, sodass ich mich auch über eine Fortsetzung freuen würde!

Inhalt

Abby kann es kaum fassen! Sie soll die Sommerferien auf einem Schloss mit eigenem Gestüt verbringen, denn der neue Freund ihrer Mutter ist ein echter Lord. Schnell merkt Abby, dass sie dort allerdings ganz und gar nicht hingehört. Alle auf dem Schloss sind vornehm und verhalten sich ganz merkwürdig. Als Abby ein verletztes Pony findet, setzt sich ausgerechnet Greyson, der sonst so unnahbare Sohn des Lords, für sie ein. Doch Greyson fordert für seine Hilfsbereitschaft eine Gegenleistung. Sie soll ihm bei der Aufklärung eines düsteren Verbrechens helfen.

Meine Meinung

Für mich sind außergewöhnliche Settings in einer Geschichte oft ausschlaggebend dafür, dass ich ein Buch unbedingt lesen möchte. Das Schloss mit weitläufigem Park und angrenzendem Gestüt in Wild Horse Valley hat mich daher sofort neugierig auf die Geschichte gemacht und ich hatte unheimlich Lust, mich gedanklich noch einmal auf die Reise an einen Ort zu begeben, an den man sich schon als kleines Mädchen hingeträumt hat. Aber nicht nur das Setting fand ich grandios, auch die Story von Wild Horse Valley hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt, sodass ich dieses Buch gerne weiterempfehle auch jenen, die Pferdegeschichten eigentlich nicht zu ihren Lieblingsgenres zählen.

Hohe, holzvertäfelte Decken ließen die Stallgasse schier unendlich wirken. Ein Schimmel schob vorwitzig seine Nase durch die Gitterstäbe. „Hey“, flüsterte ich und streckte die Hand aus. „Bist du auch unfreiwillig hier?“ (S.34)

Warum ist die Geschichte nun auch etwas für Leser, die eigentlich keine Pferdegeschichten mögen? Es ist nicht so, dass es in diesem Buch hauptsächlich ums Reiten oder ausschließlich um Pferde geht. Eher im Gegenteil. Die Protagonistin Abby kann nicht reiten und setzt sich, so viel kann verraten werden, die ganze Story über nur ein einziges Mal auf einen Pferderücken. Trotzdem spielt die Geschichte auf einem Gestüt und Pferde sind wichtige „Nebenfiguren“, die für die Spannungsaufbau der Handlung unerlässlich sind. Mir hat jedoch besonders gut gefallen, dass die Geschichte von mehreren Handlungssträngen getragen wird, die nicht mit Pferden im Zusammenhang stehen.

Leise drückte ich die Klinke herunter und öffnete die Tür einen Spaltbreit. Auch auf dem langen Flur bündelte sich das Mondlicht, sodass ich genug erkennen konnte, um nicht zu stolpern. Ich schlich hinaus. (S.70)

Da gibt es zum einen Abbys Beziehung zu ihrem besten Freund Danny oder die unausgesprochene Zukunftspäne der Mutter mit ihrem neuen Freund, dem Lord des Schlosses. Zum anderen wird die Handlung der Geschichte von einem großen Geheimnis getragen, das es zu lösen gilt und das mit verschwundenen Tagebüchern und geheimen Gängen im Schloss zusammenhängt. Nicht zu vergessen ist die zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen Abby und Greyson andeutet und die immer wieder von unerwarteten Geschehnissen, Misstrauen und Eifersüchteleien unterbrochen wird. Die Liebesgeschichte steht hierbei jedoch weniger im Vordergrund, was ich gut fand, denn der Fokus liegt dadurch umso mehr auf den verschiedenen mysteriöse Begebenheiten, die die Jugendlichen aufzuklären versuchen: unheimliche Fußspuren, ein fremdes Pony, kranke Pferde und noch vieles mehr.

Meine Knie fühlten sich an wie Wackelpudding, mein Herz stand in Flammen und mein Gehirn hatte sich verabschiedet. So langsam begriff ich, warum die Verliebten in Filmen immer irgendetwas Dummes tun: Küssen legte den Verstand lahm. (S.217)

Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber auch meine wenigen Kritikpunkte an der Geschichte, die mein Lesevergnügen allerdings kaum geschmälert haben: Wie in vielen dieser Geschichten, ist die Hauptfigur ein nach außen hin starkes und selbstbewusstes Mädchen, das innerlich aber jede Menge Selbstzweifel hegt. Das finde ich grundsätzlich super! Dennoch fand ich, dass die Autorin zu Beginn Abby zu sehr in diese Rolle hineinzupressen versucht, sodass ihr Handeln gerade in einer Szene am Anfang unglaubwürdig wirkt.

Weiterhin habe ich ja bereits erwähnt, dass sich einige wenige Parallelen zur Ostwind-Reihe finden lassen, was generell nicht verwerflich ist, ich aber trotzdem immer ein bisschen schade finde. Wie in Ostwind ist die Protagonistin unfreiwillig auf einem Gestüt, kann nicht reiten, sehnt sich eigentlich nach ihrem besten Freund und muss gegen zickige Mädchen antreten, die sich für etwas Besseres als sie halten. Besonders ins Auges springt dem Kenner beider Geschichten jedoch, das in beiden Büchern ein älterer Mann eine Rolle spielt, der in einer mysteriösen Verbindung zum Schloss und seiner dort lebenden Familie steht. Hinzu kommt, dass ich mich bei der Auflösung der Geschichte gewundert habe, dass einige Dinge unhinterfragt, bzw. in meinen Augen unaufgeklärt blieben oder zu knapp abgehandelt wurden. Das hat jedoch meine Vermutung bestärkt, dass eventuell noch eine Fortsetzung kommen könnte.

Fazit & Bewertung

Zusammenfassend kann ich sagen, dass für mich die oben genannten Kritikpunkte beim Lesen Kleinigkeiten waren, die mich nicht daran gehindert haben, die Geschichte zu genießen. Denn die Geschichte konnte mich überzeugen, und dass, obwohl sie eigentlich nicht zu meinen Lieblingsgenres im Jugendbuchbereich zählt. Wild Horse Valley ist jedoch keine Pferdegeschichte im klassischen Sinne, sondern hat viele Handlungsstränge zu bieten, die mich wirklich fesseln konnten. Das Setting hat es mir diesmal besonders angetan, ebenso wie die Tatsache, dass auch in dieser Geschichte ein Schloss der beste Ort ist, um alten Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

Eure


Bibliographie

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Kyra Dittmann: Wild Horse Valley*

Altersempfehlung: Ab 12 Jahren

Verlag: Coppenrath

Erscheinungstermin: 16.03.2018

ISBN: 978-3-649-62774-6

Seiten: 320

Preis: 12,99 €

Vielen Dank an den Coppenrath Verlag für das Rezensionsexemplar**

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Ein Kommentar zu „„Wild Horse Valley“ von Kyra Dittmann

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