Rezension

„Die Auserwählten – Kill Order“ von James Dashner

Habt ihr Thomas und die anderen Auserwählten durch das Labyrinth, die Brandwüste und die Todeszone begleitet? Dann seid ihr bestimmt gespannt zu erfahren, was 13 Jahre zuvor geschah. Im Prequel zu James Dashners Welterfolgs-Trilogie Die Auserwählten ist die Welt durch eine mächtige Sonnenerruption vollkommen zerstört worden, doch für die Überlenden der Katastrophe ist das noch nicht das Schlimmste, denn sie müssen nun einem Virus fürchten, der den Rest der Menschheit auszulöschen droht. Warum Kill Order jedoch meine Erwartungen kaum erfüllt hat und die Story mich wenig überzeugen konnte, erfahrt ihr hier denn dies ist ein Verriss.

Inhalt

13 Jahre, bevor Thomas auf einer Lichtung inmitten eines Labyrinths aufwacht, ist das Land durch eine Sonneneruption und Tsunamis vollkommen verwüstet. Mark und seine Freunde haben die Katastrophe überlebt und streifen durch zerstörte Städte und verlassene Siedlungen auf der Suche nach einem Neuanfang. Als ein Flugobjekt am Himmel auftaucht, glauben sie an eine Rettung, doch stattdessen werden sie mit Pfeilen beschossen, die eine tödliche Virusepidemie unter den Überlebenden auslöst.

Meine Meinung

Erst im vergangenen Jahr habe ich James Dashner Trilogie über die Auserwählten gelesen und ich war absolut begeistert! (Zu meinen Rezensionen: Band 1:Die Auserwählten im Labyrinth , Band 2: Die Auserwählten in der Brandwüste, Band 3: Die Auserwählten in der Todeszone). Der Autor hat es geschafft, mich so für seine Geschichte einzunehmen, dass ich es gar nicht erwarten konnte, zu erfahren, worüber die Vorgeschichte im vierten Band Kill Order handelt. Leider muss ich sagen, dass sich meine Vorfreude beim Lesen dann recht schnell gelegt hat und ich die Geschichte insgesamt ziemlich enttäuschend fand.

James Dashner will mit seinem Buch Kill Order den Hunger seiner Fans nach mehr stillen und natürlich an den Erfolg seiner Die Auserwählten-Trilogie anknüpfen. Um dies zu erreichen, legt er von allem noch eine Schippe obendrauf. Das bedeutet: Noch mehr Spannung, noch mehr Leid und Grauen und ganz klar: noch mehr Action. Und gerade das ist meiner Meinung nach dem Autor diesmal zum Verhängnis geworden, denn er verliert dabei den Blick für eine abwechslungsreiche und unvorhersehbare Handlung und, was noch wichtiger ist, er schafft es nicht mehr, die Handlung mit einer ausgewogenen Dramaturgie, also einem gesunden Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung zu versehen.

Es war einfach unfassbar grausam, was diese Krankheit mit den Menschen anstellte. Und es war ein fürchterlicher Gedanke, dass es wahrscheinlich ständig schlimmer werden würde. (S.321-322)

James Dashners Erfolgsrezept in seinen bisherigen Büchern war jedoch genau das: Nach einer unglaublich spannenden Szene folgte eine, in der sich der Leser von der Aufregung erholen und die Geschehnisse sacken lassen konnte. Es gab eine Verschnaufpause, bevor es dramatisch weiterging. In Kill Order sind diese Verschnaufpausen für den Leser jedoch nur rar gesäht, denn der Autor jagt seine Helden von einer gefährlichen Situation in die nächste, überschlägt sich geradezu in den Beschreibungen der Kampfhandlungen und bewirkt dadurch, dass die Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit des Lesers immer mehr nachlässt. Die Todesangst des Helden und seine Kämpfe bis aufs Messer lassen zudem kaum einen Fortschritt der Handlung zu, denn sie überwiegen den Großteil der Story, ohne das wirklich etwas passiert.

Es schockierte ihn nicht mehr, wie unsagbar diese neue Welt war. In diesem Haus, jedem Block sagen sie Dinge, die noch schlimmer waren als alles, was sie bis dahin für das Schlimmste gehalten hatten. (S. 349)

James Dashner ist die dramaturgische Gestaltung aber nicht nur innerhalb der Szenen misslungen, sondern auch auf die Gesamtheit der Geschichte bezogen. So wird schon früh in der Handlung klar, wer hinter der tödlichen Virusepidemie steckt, aber genau diese Offenbarung wird am Ende des Buches noch einmal als DIE große Auflösung des Plots präsentiert. Ich war maßlos verwirrt und enttäuscht, denn ich habe mich zum Schluss immer wieder gefragt: Was ist eigentlich in diesem Buch wirklich passiert?

Hinzukommt, dass James Dashner diesmal kaum Wert darauf gelegt hat, seine Figuren mit einem Wiedererkennungswert oder gar irgendwie mit einem einnehmenden Charakter auszustatten. Sowohl der Protagonist Mark, als auch seine Freunde bleiben die ganze Geschichte über blass und stehen hinter den dominierenden Kampfszenen hintenan. Auch eingehende Dialoge oder eine besondere Interaktion zwischen den Figuren sucht man vergebens. Dem Leser wird kaum Gelegenheit geboten, die Figuren näher kennenzulernen, geschweige denn, sich mit ihnen zu identifizieren. Nur in wenigen Rückblenden erfährt man mehr über den Protagonisten Mark und dies sind auch die einzigen Szenen, die ich im gesamten Buch als gelungen betrachte.

Fazit & Bewertung

Leider ist James Dashner mit Kill Order diesmal keine Glanzleistung gelungen. Kaum Handlung, ein Übermaß an Kampfszenen, zu blasse Figuren und eine schlechte Auflösung haben mir den Lesespaß diesmal gründlich verdorben. Schade, denn wir alle wissen, dass der Autor sein Handwerk eindeutig besser beherrscht. Nichts ändert sich jedoch daran, dass ich großer Fan der Die Auserwählten-Reihe bin und deshalb auch dem zweiten Prequel Phase Null, der unmittelbar vor Thomas‘ Zeit im Labyrinth spielt, eine Chance geben werde, sobald er als Taschenbuch erscheint.

Eure

Weitere Meinungen

Mich hat sehr viel an „Kill Order“ gestört. Die Figuren waren mir nicht ausgearbeitet genug (auch, wenn man verzweifelt ist, kann eine Bindung zum Leser entstehen) und die Handlung zu dünn. Der Stil ist nichts als brutal und das Buch besteht aus fast nichts anderem als einem ständigen Kampf. (Geschichtentänzer)

Was mich an diesem Buch gestört hat, waren die vielen Szenen, in denen sich Mark und Alec mit ihren Feinden prügelten.[…] diese Szenen [zogen sich] oftmals über mehrere Kapitel und gerade gegen Ende des Buches hatte ich das Gefühl, dass die Protagonisten entweder rannten oder sich prügelten. (Jules Leseecke)

 


Bibliographie

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James Dashner: Die Auserwählten – Kill Order*

Altersempfehlung: Ab 13 Jahren

Verlag: Carlsen

Erscheinungstermin: 30.04.2018

ISBN: 978-3-551-31705-6

Seiten: 448

Preis: 9,99 €

Ward ihr ebenso enttäuscht von der Geschichte wie ich?

 

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10 Kommentare zu „„Die Auserwählten – Kill Order“ von James Dashner

  1. Oh, ich hatte bis gerade nicht gewusst, dass es ein Prequel gibt und mich schon drauf gefreut. Aber ich denke, das lese ich dann lieber doch nicht. Danke für deine Rezension!

    1. Liebe Sonja, ja leider kann ich es dir nicht empfehlen, und ich schreibe wirklich sehr selten sehr schlecht über Bücher, aber dieses hat mich wirklich geärgert. Ich hoffe, dass „Phase Null“ besser ist.
      Liebe Grüße
      Svenja

  2. Die Trilogie hat mir gefallen, aber das Buch werde ich wohl nicht lesen, scheint mit heißer Nadel gestrickt zu sein…
    Liebe Grüße aus dem Buchreich ♥ #litnetzwerk

    1. Liebe Mila,
      danke hast du die richtigen Worte gefunden. Ja, ich fand es sehr schade. Aber ich bleibe großer Fan der Trilogie!
      Liebe Grüße
      Svenja

  3. Hallo Svenja,
    ich bin ganz froh, dass ich mir Kill Order nicht gekauft habe. Schon der dritte Band der Auserwählten konnte mich nicht mehr so ganz fesseln und irgendwie hat es für mich immer etwas Merkwürdiges, wenn ein Autor nach einer Trilogie quasi die Vorgeschichte erzählt. Mir schleicht sich da immer der Gedanke von „die Geschichte nochmal ausschlechten wollen“ in den Kopf. Nachdem ich deine Rezension nun gelesen habe weiß ich, dass meine Entscheidung richtig war.
    Hab eine schöne Woche
    LG
    Yvonne
    #litnetzwerk

    1. Hallo Yvonne,
      leider komme ich erst jetzt dazu dir zu antworten :) Schön, dass du über das #litnetzwerk auf meine Rezension gekommen bist! Du hast Recht, wenn die Vorgeschichte nach einer Geschichte noch einmal aufgegriffen wird, dann hat man das Gefühl, dass der Autor „nur“ Geld machen will. Aber oft bin ich als absoluter Fan glücklich darüber, dass die Geschichte noch nicht ganz vorbei ist! Aber in diesem Fall war ich wirklich ziemlich enttäuscht. Der dritte Band von „Die Auserwählten“ hat mir zwar noch gut gefallen, aber dafür war der Absturz zu diesem umso größer! Ich kann dir das Buch also leider nicht empfehlen.
      Liebe Grüße
      Svenja

  4. Oh Svenja,
    eigentlich hatte ich Lust das Buch zu kaufen und zu lesen, aber nun stehen wirklich andere Bücher auf meiner Wunschliste und ich freue mich nun auf die anderen Bücher. <3
    Alles Liebe,
    Julia

  5. Hallo Svenja,
    ehrlich gesagt, ich habe nicht mal die ursprüngliche Trilogie gelesen :D
    Ich hatte den ersten Teil der Filme mit meiner Schwester geguckt und erst danach herausgefunden, dass es eine Buchvorlage gibt. Nachdem ich dann aber Film 2 schon gesehen hatte, „lohnte“ es sich für mich nicht mehr, mir auch noch die Bücher durchzulesen.
    Ich bin aber natürlich neugierig auf die Geschichte und finde es daher spannend, über die ganzen Teile drum herum zu lesen. Schade natürlich, dass du sie nicht gelungen fandest. Für mich dennoch ein interessanter Einblick :)
    Viele Grüße
    Jennifer
    #LitNetzwerk

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