Rezension

„Hilda und die Vogelparade“ von Luke Pearson

Liebe Comic-Fans!

Wer in den letzten Wochen meine Beiträge aufmerksam verfolgt hat, wird bemerkt haben, dass ich Fan einer ganz besonderen Comic-Heldin bin! Die Hilda-Reihe aus dem Reprodukt Verlag hat mich verzaubert und ist nicht nur für alte Comic-Hasen ein wahrer Genuss. Auch für Genre-Neulinge, sowohl Kindern als auch Erwachsenen, kann ich die Geschichten um die blauhaarige Heldin nur ans Herz legen! Hilda und die Vogelparade von Luke Pearson ist der dritte Band der erfolgreichen Reihe und wieder ein wahrer Schatz fürs Bücherregal! Hilda ist mit ihrer Mutter in die Stadt Trolberg gezogen und sehnt sich zurück in die Idylle, die verschwunschenen Täler und Gebirge ihrer Heimat. Doch auch in der Stadt gibt es einiges zu erleben und welche Rolle ein ganz besonderer Rabe dabei spielt, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Inhalt

Hilda hat von ihrer neuen Heimat, der Stadt Trolberg noch nicht viel gesehen. Sie könnte sich ja verlaufen, ist das Argument ihrer Mutter dafür, sie nicht vor die Tür zu lassen. Hilda ist verzweifelt und vermisst den Wald, die Täler und die Holzmänner in ihrem alten Zuhause. Nur die Vogelparade, die alljährlich in der Stadt veranstaltet wird, kann Hilda aufmuntern. Überall werden Girlanden aufgehängt, die Häuser geschmückt und Laternen entzündet, sodass die Stadt auf einmal doch nicht mehr so grau wirkt. Doch Hilda verirrt sich in dem Gewimmel der Gassen und findet nicht mehr zurück. Ob der vergessliche Rabe ihr den Weg weisen kann?

Meine Meinung

Schon mein erster Hilda-Comic, Hilda und der Mitternachtsriese (hier geht’s zu meiner Rezension), hat mich absolut verzaubert. Ich hätte nie gedacht, wie sehr mich die doch recht kurzen Geschichten in ihren Bann ziehen können. Jede von Luke Pearsons Geschichten entführt mich in eine liebevoll-fantastische Welt, in der die Fantasie keine Grenzen kennt und wie selbstverständlich Teil der Realität ist. Hilda und die Vogelparade ist der dritte Band der wohl schönsten Comic-Reihen, die ich bisher gelesen habe! Achtung Spoiler!

Die Atmosphäre in diesem Comic nur mit bloßen Worten zu beschreiben, kann ihrer wahren Schönheit kaum gerecht werden. Wie in meinen beiden letzten Rezensionen zu Hilda und der Mitternachtsriese und Hilda und der Troll versuche ich es trotzdem und hoffe euch mit meiner Begeisterung anstecken zu können! Für Hilda ist die Welt ein großes Abenteuer. Hinter jedem Stein und hinter jedem Grashalm entdeckt Hilda Wunder, für die andere Menschen keinen Sinn mehr haben. Deswegen ist es für Hilda besonders schlimm, nun in einer Stadt zu wohnen, in der die Menschen an solchen Dinge vorbeihasten. Eine Stadt, in der zwar alles grau und eintönig zu sein scheint, in der sich aber auch niemand die Mühe macht richtig hinzuschauen.

„Es wird dunkel. Man merkt, dass es dunkel wird, weil die ersten Leute das Licht anmachen. Das sieht so gemütlich aus. Die Leute sind sich gar nicht bewusst, wie gemütlich sie es haben.“

Hilda besitzt die Fähigkeit, in jedem noch so fantasielosen Spiel ihrer Klassenkameraden, etwas Einzigartiges zu sehen. So sind Steine, die die anderen Kinder benutzen, um Vögel zu bewerfen, für Hilda kleine Schätze, die es sich lohnt aufzuheben. Für mich ist Hilda aus diesem Grund eine besondere Heldin, die mir beim Lesen immer wieder zeigt, wie schön doch gerade die kleinen und unbedeutenden Ereignisse im Leben sind. Toll fand ich, dass Hilda ihre Aufmerksamkeit Dingen widmet, für die auch ich nach dem Lesen wieder einen ganz neuen Blick entwickelt habe. Ob das Haustüren sind, die alle ihren eigenen Charakter haben, Schornsteine oder Dächer Hilda hat ein einzigartiges Gespür für Details und nutzt dieses, um sich in der fremden Stadt zurechtzufinden.

„Jede Tür ist anders. Andere Formen. Andere Farben, anderes Holz. Sie sind einander ähnlich und doch hat jede ihre ganz eigene Persönlichkeit.“

Auch in diesem Comic wird Hilda ein neuer Freund an die Seite gestellt, der ihr hilft, sich in ihrer Umgebung nicht allzu einsam und verloren zu fühlen. Ein Rabe, der von Hildas Klassenkameraden mit einem Stein von einem Baum geschossen wird, hat sein Gedächtnis verloren und wird von Hilda aufgepäppelt. Schon die Zeichnung des Rabens hat mich schmunzeln lassen, denn sein recht großer Körper wird von fädchendünnen Beinen getragen und verleiht ihm etwas Ulkiges. Die Tatsache, dass der Rabe trotz des Gedächtnisverlusts glaubt, jemand Bedeutendes zu sein, den Schnabel dabei hoch trägt und im nächsten Moment Angst vor einem Wurm (genauer gesagt, vor einem Salzlöwen) hat, macht ihn zu einer herrlich komischen Figur, die perfekt zu Hildas fantasievollem Wesen passt. Nicht nur einmal habe ich herzlich gelacht, wenn Hilda und der Rabe in einem kleinen Schlagabtausch miteinander diskutieren, während sie sich immer weiter in den Straßen von Trolberg verirren.

„Ganz ehrlich, ich frage mich schon immer, wie ihr euch zu Fuß zurechtfindet. All diese Ecken und Mauern sind doch ständig im Weg… Ihr seht gerade mal eine Straße und wisst nie, was als Nächstes kommt!“

Wie bisher bei jedem Hilda-Comic, bin ich auch bei diesem wieder von den Zeichnungen Luke Pearsons begeistert! Um Hildas anfängliche Traurigkeit und die Eintönigkeit der Stadt auszudrücken, werden die Panels in knapp der Hälfte des Comics in Beige- und Grautönen gehalten. Später werden die Seiten bunter und farbenfroher und symbolisieren die Lebendigkeit der Stadt, die Hilda mehr und mehr entdeckt. Besonders toll ist auch, dass sich auf dem hinteren Vorsatzpapier des Buches eine Karte befindet, die die Stadt Trolberg und Umgebung zeigt.

Fazit & Bewertung

Hach, wieder ein grandioser Comic aus der Feder von Luke Pearson! Die Geschichte Hilda und die Vogelparade hat mich mit einer wunderbaren Atmosphäre, tollen Illustrationen und einer Heldin überzeugt, die dem Leser mit ihrer kindlichen Weisheit die Schönheit von scheinbar unbedeutenden Dingen vor Augen führt. Eine wunderbar einfühlsame Geschichte, die ich jedem nur empfehlen kann!

Eure


Bibliographie

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Luke Pearson: Hilda und die Vogelparade*

Altersempfehlung: Ab 6 Jahren

Verlag: Reprodukt

Übersetzer: Matthias Wieland

Erscheinungstermin: 10.03.2014

ISBN: 978-3-943143-96-6

Seiten: 44

Preis: 18,00 €

 

 

 

6 Kommentare zu „„Hilda und die Vogelparade“ von Luke Pearson

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