Rezension

„Carlotta – Internat auf Probe“ von Dagmar Hoßfeld

Hallo zusammen!

Es gibt sehr viele Kinderbuchreihen, die ich früher verschlungen haben und deren Geschichten mich noch bis heute begeistern können, dazu gehören zum Beispiel die 4 1/2 Freunde- und Amanda X– Reihe von Joachim Friedrich oder die Bände von Die Wilden Hühner und Gespensterjäger von Cornelia Funke. Reihen hatten für mich immer einen besonderen Reiz, denn man musste die Kinderbuchhelden nicht nach einer Geschichte loslassen, sondern durfte sie oft auf ihren Abenteuern noch viele weitere Bücher über begleiten. Ich habe mich noch einmal auf die Suche nach einer schönen Kinderbuchreihe gemacht und bin dabei auf die Carlotta-Reihe vom Carlsen Verlag gestoßen. Carlotta – Internat auf Probe von Dagmar Hoßfeld ist der erste Band der inzwischen siebenbändigen Reihe und richtet sich vor allem an Mädchen ab 10 Jahren.

Inhalt

Weil ihr Vater beruflich auf Reisen geht, soll Carlotta für ein Jahr zu ihrer Mutter und deren neuer Familie ziehen. Das will Carlotta aber auf keinen Fall und entscheidet sich lieber für das kleinere Übel: ein Internat. Auf Schloss Prinzensee ist es wunderschön und Carlotta würde sich auch wohlfühlen, wären da nicht ihre beiden komischen Zimmernachbarinnen. Aber Carlotta hat ja schon eine beste Freundin zu Hause und weiß, dass sie die beiden Mädchen nur höchstens für ein Jahr ertragen muss.

Meine Meinung

Ohne vorher viel über die Reihe recherchiert oder gelesen zu haben und ohne die Autorin Dagmar Hoßfeld zu kennen, habe ich mich unvoreingenommen dem ersten Band der Carlotta–Reihe gewidmet. Carlotta – Internat auf Probe war ein netter Auftakt einer vielversprechenden Kinderbuchreihe, in dem das Potenzial der Geschichte meiner Meinung nach nicht vollständig ausschöpft ist. Trotz interessanter Figuren und wunderbarem Setting, sucht man spannende Wendungen und Konflikte in der Geschichte leider vergeblich. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass das nur die Schwierigkeiten des Reihenauftakts sind und die nächsten Bände in der Hinsicht verbessert wurden. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen und darüber berichten!

Carlottas Wechsel in die fünfte Klasse steht an und damit auch ihr Umzug ins Internat Prinzensee. Das heißt nicht nur eine neue Schule, sondern auch neue Mitschüler, neue Lehrer und ein neues Umfeld. Doch Carlotta lässt sich davon nicht ängstigen, denn sie weiß, dass sie schon in einem Jahr wieder an der Schule bei ihrer besten Freundin sein wird und ihre Zeit in Prinzensee nur auf „Probe“ ist. Mir hat Carlottas Figur gut gefallen. Carlotta ist als Protagonistin der Geschichte ein sehr starkes Vorbild für die jungen Leser, denn sie ist selbstbewusst und weiß was sie will. Sie wirkt für ihr Alter jedoch fast schon zu erwachsen, denn Heimweh oder Angst vor dem Neuen werden kaum thematisiert. Dafür wirken ihre Gedanken schon sehr reif und ihre Gefühle werden oft nur angedeutet, dann aber nicht weiter verfolgt, was ich schade fand.

In ihrem Bauch rumorte schon wieder ein dickes Gedankenknäuel. Ein Teil davon steckt noch in ihrem Hals und rührt sich nicht von der Stelle. Seit dem Streit mit Papa steckt es da fest… (S. 32)

Schloss Prinzensee ist als Setting der Geschichte sehr schön gewählt. Ich liebe Geschichten, die in einem Internat spielen und erst vor kurzem konnte mich die Internatsgeschichte Emma, der Faun und das vergessene Buch begeistern. Prinzensee wirkt von der Beschreibung her wie das verwunschene Schloss eines Märchens und oft habe ich beim Lesen an das alte Internat aus dem Film Der Club der toten Dichter gedacht. Man konnte sich als Leser gedanklich wunderbar in das alte Gemäuer des Schlosses hineinversetzten und sich die Zimmer, die Klassenräume und die Küche vorstellen, in denen die Kinder tagtäglich leben. Auch die Beschreibung des Sees, der Gärten und der Gewächshäuser wirken wie aus dem Märchen und haben der Geschichte eine wunderbare Atmosphäre verliehen.

Ein Internat das Prinzensee heißt, ist wirklich das Letzte, findet Carlotta. Klingt, als würden da lauter Prinzen und Prinzessinnen wohnen. Total kitschig. (S. 36)

Abgesehen von den schön gezeichneten Figuren und dem tollen Setting hat mich jedoch die Handlung an vielen Stellen wenig mitgerissen. Ich hätte mir zum Beispiel gewünscht, dass man als Leser mehr über Carlottas Internatsalltag erfährt und gleichzeitig fesselndere Konflikte zwischen Carlotta und ihren Zimmernachbarinnen entstehen, was die Geschichte spannend und interessant gemacht hätte. Auch mit den Augen einer 10-jährigen Leserin dürfte an vielen Stellen der Antrieb der Geschichte gefehlt haben. Ich denke aber, dass man, je weiter man die Carlotta-Reihe verfolgt, hier auf seine Kosten kommen wird.

Irritiert hat mich beim Schreibstil der Autorin, dass das Buch ausschließlich im Präsens geschrieben war, was mir in Kombination mit der personalen Erzählperspektive eher ungewöhnlich vorkam. Flüssiger hätte sich die Geschichte lesen lassen, wenn man Carlotta aus der Ich-Perspektive hätte folgen können. Trotzdem hat mir generell Dagmar Hoßfelds Erzählton gefallen, denn sie hat die Sprache der Kinder gut einfangen und Dialoge sehr lebendig gemacht.

Fazit & Bewertung

Carlotta – Internat auf Probe von Dagmar Hoßfeld ist der nette Auftakt einer Kinderbuchreihe, der mit sympathischen Figuren und einem wunderschönem Setting punktet. Leider habe ich innerhalb der Handlung den Spannungsbogen und einen fesselnden Höhepunkt der Geschichte vermisst, sodass ich alles in allem eher enttäuscht war vom ersten Band. Ich denke, dass die Reihe jedoch durchaus Potenzial hat und werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen.

Eure


Bibliographie

Dagmar Hoßfeld: Carlotta – Internat auf Probe

Altersempfehlung: Ab 10 Jahren

Verlag: Carlsen

Erscheinungsdatum: 27.11.2012

ISBN: 978-3-55131142-9

Seiten: 224

 

 

Welche Kinderbuchreihe habt ihr gerne gelesen oder lest sie sogar noch?

 

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3 Kommentare zu „„Carlotta – Internat auf Probe“ von Dagmar Hoßfeld

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