Rezension

„Irmina“ von Barbara Yelin

Irmina, Pan Tau Books, Barbara Yelin, Rezension_Beitragsbild

Liebe Bücherfreunde,

eine Graphic Novel hat mich in den vergangenen Tagen sehr beeindruckt. Irmina von Barbara Yelin aus dem Reprodukt Verlag nähert sich dem Thema des Zweiten Weltkriegs auf besondere Art. Die Geschichte um Irmina, die in England den Jurastudenten Howard kennenlernt und aufgrund der politischen Situation in das nationalsozialistische Deutschland zurückkehren muss, ist sehr bewegend. Inspiriert von der Lebensgeschichte ihrer Großmutter, thematisiert Barbara Yelin sowohl Irminas Sehnucht nach Freiheit als auch ihre Loyalität dem faschistischem Nazi-Regime gegenüber.

Inhalt

Irmina macht im Jahr 1930 in England eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin. Während sich in Deutschland die politische Situation zuspitzt und auch Irmina mit den Auswirkungen in Form von finanziellen Problemen zu kämpfen hat, lernt sie den schwarzen Jurastudenten Howard kennen. Irmina ist entsetzt über den Rassismus und die Ausgrenzung, denen Howard in der englischen Gesellschaft ausgesetzt ist. Als die finanzielle Unterstüzung ihrer Familie einbricht, ist Irmina gezwungen nach Deutschland und damit in das aufblühende Nazi-Reich zurückzukehren. Hier muss sie sich entscheiden, ob sie den Ideologien der Nationalsozialisten folgen will oder ob sie weiter an ihre Sehnsucht nach Freiheit festhält.

Meine Meinung

Die Graphic Novel Irmina ist mir das erste Mal auf einem anderen Buchblog begegnet und hat meine Aufmerksamkeit erregt, weil sie als Lesehighlight bezeichnet wurde. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte einer deutschen jungen Frau zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, hat sofort mein Interesse geweckt. Umso mehr freue ich mich, dass mich Irminas Geschichte genauso sehr begeistern konnte und ihre Geschichte nicht nur einzigartig, sondern auch tief berührend ist.

„Was finden Sie bloß an den ganzen Büchern?“ – „Na, sie unterhalten und bilden. Aber vor allem kann ich damit in jedes Land der Erde reisen. Im Kopf.“ (S. 255)

Irmina ist eine starke junge Frau, denn sie weiß, was sie in ihrem Leben erreichen möchte. Für ihre Träume und Ziele blendet sie die steigende Bedrohung, die von ihrem Heimatland Deutschland für die restliche Welt ausgeht, weitestgehend aus. Mich hat Irminas Figur sehr beeindruckt. Ihr Mut und ihre Furchtlosigkeit allein in England zu bleiben, ist bewundernswert, obwohl sie mehr und mehr als Deutsche für die Geschehnisse in ihrer Heimat zur Rede gestellt und von der englischen Gesellschaft dazu gezwungen wird, die Machenschaften der Nazis zu rechtfertigen. Die politischen Verhältnisse in Deutschland interessieren Irmina im fernen England aber eher weniger. Erst als sie Howard kennenlernt, erfährt sie, was Rassismus wirklich bedeutet. Mehr und mehr werden ihr die Ungerechtigkeiten gegen Minderheiten, die auch in Deutschland Fahrt aufnehmen, bewusst. Besonders schön fand ich zu sehen, wie Irmina für Howard und dessen Rechte in der Gesellschaft eintritt und die Diskriminierung ihm gegenüber verabscheut.

Lange kann es also nicht mehr dauern bis ich nach London zurückkomme. Ein wenig muss ich wohl noch Geduld haben, doch dann werde ich wieder über den Kanal setzen! Auf bald also Howard! Und vergiss nicht mir zu schreiben! (S.125)

Die zarte Liebe, die Irmina und Howard füreinander empfinden, als sie gemeinsam in England sind, ist für den Leser sehr berührend. Als Irmina zurück nach Deutschland muss und es ihr nicht möglich ist zu Howard zurückzukehren, entwickelt sich die Geschichte mit Beginn des Krieges zu einem Drama. Mich haben vor allem Irminas Erlebnisse in den Kriegsjahren sehr mitgenommen, denn obwohl sie die Judenverfolgung in Berlin mit eigenen Augen sieht, will sie nicht das Unrecht daran erkennen. Im zweiten Teil des Graphic Novels kann man Irminas Beweggründe für ihre Entscheidung deshalb nicht mehr gut nachvollziehen, trotzdem ist man so nah an ihrer Figur und an ihrem Leben, dass man es mit angehaltenem Atem verfolgt und auf ein Happy End hofft.

Ich hause in einer kuriosen Herberge mit einem bunt gemischten Haufen von Leuten die alle aus den unterschiedlichsten Gründen hier sind. Hier in der Hauptstadt merkt man viel deutlicher, wie viel sich in Deutschland verändert hat. (S.116f.)

Die Geschichte hat mich aufgewühlt und hat mich traurig gemacht, aber mir gleichzeitig auch Hoffnung gegeben. Hoffnung darauf, dass das Leben zwar kurz ist, aber nie so endgültig ist, wie es oft scheint.

Der Krieg, und damit das düsterste Kapitel in der deutschen Geschichte, spricht aus nahezu jedem Panel des Graphic Novels. Barbara Yelin ist es gelungen, in einem einzigartigen Zeichenstil und einer überwiegend dunklen Farbgebung, eine melancholische Atmosphäre zu schaffen, die den Erzählton der Geschichte sehr schön untermalt. Da die Panels nicht viel Text beinhalten, hatte ich den Graphic Novel sehr schnell gelesen, umso länger habe ich aber gebraucht, um die Geschichte um Irmina zu verarbeiten.

Fazit & Bewertung

Barbara Yelin hat sich bei der Aufbereitung der Geschichte ihrer Großmutter meiner Meinung nach übertroffen! Irminas dramatisches Leben ist packend und aufwühlend, lässt Fragen offen und lässt den Leser vor allen Dingen lange nicht los. Eine überwältigende Geschichte einer faszinierenden Frau, ein grandioser Zeichenstil, eine wunderbare Graphic Novel!

Eure


Bibliographie

Barbara Yelin: Irmina

Verlag: Reprodukt

Erscheinungsdatum: 08.10.2014

ISBN: 978-3-95640-006-3

Seiten: 288

 

 

 

Welche Graphic Novel konnte euch zuletzt begeistern?

 

 

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6 Kommentare zu „„Irmina“ von Barbara Yelin

  1. Klingt nach einem guten Lesetipp 😀 Graphic Novels les ich nicht so oft, eher Comics, die ja quasi in Buchform fast das gleiche sind 😛

    1. Hey!
      Ich lese eigentlich auch keine Graphic Novels, aber „Irmina“ hat mich wirklich wieder auf den Geschmack gebracht. Ich kann dir „Irmina“ als Einstieg auf jeden Fall sehr empfehlen:)
      Liebe Grüße!
      Svenja

      1. Danke, aber wäre kein Einstieg für mich 😉 Aber ne super Ergänzung für meine kleine Sammlung 😀

  2. Hey Svenja!

    Richtig toll geschrieben deine Rezi💕Für mich klingt es nach einem super Lesetipp. Graphic Novels gehen bei uns Bloggern ja noch ziemlich unter, was eigentlich sehr schade ist.
    Ich werde mir „Irmina“ auf jeden Fall mal genauer anschauen. Ich habe ja die GN „Die Wächter des Louvre“ und „Das Phantom der Oper“ schon gelesen. Also die Wächter kann ich dir auch empfehlen, wenn du dich für Kunst interessierst!

    Hab noch einen schönen Lesesonntag
    Kathi

    1. Hey Kathi,
      ja das stimmt, Comics werden ja schon mal öfters besprochen, aber Graphic Novels eher selten. Ich werde das man weiter ausbauen hier:) Die Wächter des Louvre habe ich gerade direkt mal nachgeschaut, das klingt wirklich gut! Ich behalte es man auf dem Schirm, danke für den Tipp! 🙂
      Liebe Grüße,
      Svenja

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