Rezension

„Der Asteroid ist noch das kleinste Problem“ von Katie Kennedy

Hallo liebe Bücherwürmer,

Wer auf der Suche nach einem unterhaltsamen Jugendbuch für zwischendurch ist, dem könnte Der Asteroid ist noch das kleinste Problem von Katie Kennedy gefallen! Die Geschichte um Juri, der als jüngstes Mitglied in einer Reihe von Wissenschaftlern versucht einen Asteroideneinschlag zu verhindern und der zur selben Zeit seiner ersten großen Liebe begegnet, hat den Anspruch kein Science-Fiction Roman mit Katastrophenszenarien zu sein. Was auf den ersten Blick in der Konstellation der Handlungsstränge ungewöhnlich wirkt, entpuppt sich als nette Entwicklungsgeschichte eines jungen Protagonisten, der lernt, dass Wissen und geistreiches Genie alleine nicht glücklich machen.

Inhalt

Yuri ist mit siebzehn Jahren der jüngste Physiker in einer Runde von Wissenschaftlern, die den Einschlag eines Asteroiden auf der Erde zu verhindern versuchen. Obwohl Yuri weiß, wie man den Asteroiden von der Erde abwenden könnte, wird er von seinen Kollegen nicht ernst genommen. Aber der Asteroid ist nicht sein größtes Problem, denn Luna, ein Mädchen mit grünem Pony, verdreht Yuri mächtig den Kopf und es fällt  ihm immer schwerer, sich auf das Wesentliche, die Rettung der Menschen, zu konzentrieren.

Meine Meinung

Der Klappentext von Der Asteroid ist noch das kleinste Problem hat mich ziemlich angesprochen und neugierig gemacht. Ich hatte ein bisschen Bedenken, ob die Kombination aus Liebesgeschichte und Katastrophenszenario in einem Jugendbuch, das den Anspruch hat in der Realität und nicht in einer dystopischen oder Science-Fiction-Welt zu spielen, funktionieren würde. Da die Katastrophe aber mehr im Hintergrund steht und der Fokus der Geschichte auf den Protagonisten Yuri und seiner Entwicklung liegt, hat mir der Roman gut gefallen.

Die Mathematik war lebendig. Er konnte sie sehen, wenn er seine Augen schloss. Einmal träumte er sogar, wie sich die Gleichungen von der Erde bis zum Asteroiden erstreckten. (S. 38)

Yuri ist ein Antiheld, wie er im Buche steht. Mit seinem überdurchschnittlichen Genie ist er zwar Experte auf dem Gebiet der Astrophysik, aber auf zwischenmenschlicher Ebene versagt er hingegen auf ganzer Linie. Als Protagonisten macht ihn das sehr sympathisch, denn obwohl er seinen Kollegen mit seinem Wissen überlegen ist, ist er nicht in der Lage sich zu integrieren oder eine freundschaftliche Basis zu ihnen zu schaffen. Wenn nicht schon durch sein Alter, dann wird er spätestens durch seine fehlende Sozialkompetenz zum ultimativen Außenseiter. Und LeserInnen lieben Außenseiter! Was mir oft schon zu klischeehaft ist, funktioniert hier glücklicherweise wieder ganz gut, denn Yuri ist kein nerviger Nerd, sondern mit seinem Akzent und seinem trockenen russischen Temperament durchaus witzig.

Er würde in seinen jungen Jahren nicht hier stehen, wo er jetzt war, wenn er nicht auch eine ganze Menge aufgegeben hätten. Das hieß, er besaß keinen Schuhkarton voller Fotos mit Freunden und abgerissener Eintrittskarten. (S.16)

Der überwiegende Teil des Romans handelt von Yuris Arbeit bei der NASA, wo der er täglich komplizierte Berechnungen anstellt, um einen Aufprall des Asteroiden mit Hilfe von Antimaterie zu verhindern.  Ich bin erleichtert, dass Katie Kennedy die  technisch-mathematischen Dinge nicht zu sehr ausführt und nur eine  knappe Beschreibungen über die Beschaffenheit und den Einsatz von Antimaterie liefert, die Yuri gegen den Asteroiden einsetzen möchte. Als Leserin hat mich hier weniger die technische Seite der Versuche interessiert, sondern vielmehr, ob Yuri sich mit seinen Ideen durchsetzen kann und in wie weit er sich charakterlich dabei weiterentwickelt. Gut fand ich auch, dass die nahende Katastrophe nicht als Weltuntergangsfiasko dargestellt wird, sondern eher sachlich objektiv nur als roter Faden der Geschichte dient.

Er musste bleiben, um die Menschen zu retten, die ihn opfern wollten. Er musste aber auch wieder zurück nach Hause. Also hatte er gleich zwei Probleme: die Welt retten und sich selbst. (S. 62)

Der Asteroid gerät beinahe in Vergessenheit, als sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen Yuri und Luna entspinnt, die mir persönlich an der ganzen Geschichte am besten gefallen hat. Luna ist meine persönliche Heldin des Romans. Nicht nur ihr ungewöhnliches Aussehen (Hippie-Mädchen mit grünem Pony) macht sie als Figur ziemlich interessant, sondern auch ihre Unvoreingenommenheit  Yuri gegenüber. Ich fand es schön, dass Luna nur wenig Aufsehen um Yuris Genie macht, sondern ihn als normalen und liebenswürdigen Menschen sieht, was den meisten Leuten in Yuris Umfeld eher schwer fällt.

Fazit & Bewertung

Für mich ist Der Asteroid ist noch das kleinste Problem ein schön erzähltes Jugendbuch für zwischendurch, dessen Geschichte mich zwar nicht schwärmen lässt, die ich aber durchaus nett und ansprechend finde. Katie Kennedy schafft es, eine bevorstehende Katastrophe geschickt mit einer Liebesgeschichte zu verbinden, sodass der Anspruch auf Realität nicht darunter leidet. Wer noch eine kurzweilige Lektüre für den bevorstehenden Urlaub sucht, wird mit Der Asteroid ist noch das kleinste Problem glücklich werden. Für LeserInnen, die in einem Jugendbuch ein bisschen mehr Spannung und eine Geschichte mit weniger vorhersehbarem Ende erwarten, kann ich das Jugendbuch eher weniger empfehlen.


Bibliographie

Katie Kennedy: Der Asteroid ist noch das kleinste Problem

Altersempfehlung: Ab 12 Jahren

Verlag: Thienemann

Erscheinungsdatum: 21.03.2017

Übersetzer: Julia Gehring

ISBN: 978-3-522-50550-5

Seiten: 384

 

 

Findet ihr, dass der Realitäts-Anspruch in diesem Jugendbuch gelitten hat? Wie hat es euch gefallen?

 

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2 Kommentare zu „„Der Asteroid ist noch das kleinste Problem“ von Katie Kennedy

    1. Hey 🙂 Ach, ich kann mich immer noch ganz gut in die Teenies hineinversetzen, aber danach brauche ich dann meistens auch noch einmal etwas anspruchsvolleres 🙂
      Liebe Grüße
      Svenja

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