Rezension

„Matilda“ von Roald Dahl

Liebe Bücherwürmer und Kinderbuchfans!

Heute möchte ich euch nach langem noch einmal einen Kinderbuchklassiker vorstellen. Matilda von Roald Dahl ist witzig, frech und punktet mit einer wunderbar lebhaften Protagonistin, die nicht nur Kinder ab zehn Jahren mit ihrem aufgeweckten Wesen und ihren altklugen Weisheiten noch etwas beibringen kann. Ein tolles Buch zum vor- und selber lesen, das Kindern Mut macht und gleichzeitig wahnsinnig komisch ist.

Inhalt

Matilda ist nicht wie andere Kinder in ihrem Alter. Weil die Eltern sie alleine lassen und lieber betrügerische Machenschaften betreiben als sich um ihre Tochter zu kümmern,  bringt Matilda sich mit drei Jahren schon selbst das Lesen bei. Mit vier läuft sie alleine jeden Tag zur Stadtbibliothek und liest Bücher von Dickens, Austen, Brontë, Wells oder Kippling. Die Dummheit der Eltern, die den messerscharfen Verstand ihrer Tochter nicht erkennen, wird nur noch von Matildas Schuldirektorin Frau Knüppelkuh übertroffen. Gut, dass sie im Kampf gegen die gefährliche Direktorin nicht alleine ist und es da noch ihre Lieblingslehrerin Fräulein Honig gibt. Die hat allerdings ein Geheimnis, genau wie Matilda.

Meine Meinung

Als Kind habe ich den Film Matilda von 1996 geliebt. Ich war immer schon fasziniert von dem intelligenten kleinen Mädchen Matilda, das sich furchtlos gegen die Beschränktheit der Erwachsenen wehrt und dabei noch unglaubliche Fähigkeiten zeigt. Erst vor einigen Jahren habe ich den Autor Roald Dahl für mich entdeckt und erfahren, dass er die Romanvorlage zum Film geschrieben hat. Da ich inzwischen großer Fan von Roald Dahls Kinderbüchern bin und zum Beispiel Der fantastische Mr. Fox oder Danny und der Riesenpfirsich verschlungen habe, musste ich mir natürlich auch Matilda zulegen. Meine Erwartungen an das Buch wurden nicht enttäuscht und nicht nur die Geschichte, auch die Illustrationen konnten mich begeistern.

Ich habe Matilda schon von der ersten Seite an ins Herz geschlossen. Sie ist klug, witzig, schlagfertig, mutig und  – das finde ich am besten – sie liebt Bücher! Matilda hat mit vier Jahren schon viele Autoren der Weltliteratur gelesen, die ich als Literaturstudentin noch nie in der Hand hatte (was ich natürlich schnellstmöglich nachholen werde). Obwohl sie hochbegabt ist, wirkt Matilda nie altklug oder eingebildet, sondern ist sich ihrer eigenen besonderen Fähigkeit nicht bewusst. Das macht sie zu einer liebenswerten und niedlichen Protagonistin, deren Scharfsinn beeindruckend ist.

Mit Joseph Conrad stach sie auf altmodischen Segelschiffen in See. Ernest Hemmingway folgte sie nach Afrika und Rudyard Kipling nach Indien. Während sie in ihrem kleinen Zimmer in einem englischen Dorf saß, reiste sie durch die ganze Welt. (S. 24)

Matildas Eltern sind das absolute Gegenteil von ihr. Bei der Ignoranz der Mutter und der Dummheit des Vaters ist es kaum vorstellbar, dass ihre Tochter zu einem solchen Goldstück herangewachsen ist. Beide Elternteile sind so unerträglich und abstoßend, nicht nur äußerlich, sondern auch charakterlich, dass sie mich beim Lesen sofort angewidert haben und mir Matilda sehr Leid tat. Sie sind selbst die größten Verbrecher, bezeichnen aber Matilda als Betrügerin und Lügnerin und offenbaren so, dass Matilda ihnen nur zur Last fällt. Liebe? Fehlanzeige.

Mit Schorf muss man einfach leben, bis die richtige Zeit gekommen ist. Dann kann man ihn abpulen und wegschnippen. Herr und Frau Wurmwald wünschten sehnlichst die Zeit herbei, zu der sie ihre kleine Tochter abpulen und wegschnippen konnten […]. (S. 12)

Umso mehr hat mich Matildas Furchtlosigkeit beeindruckt. Mit viel Sinn für Humor beschreibt Dahl, wie Matilda es ihren Eltern und später der Schuldirektorin für ihre Gemeinheiten heimzahlt und dabei ihr außergewöhnlich kluges Köpfchen einsetzt. So ganz ohne fremde Hilfe kommt Matilda aber dann doch nicht aus. Dass sie sich ihrer Lehrerin Fräulein Honig anvertraut, gibt der ganzen Geschichte einen realistischen Background. Spannung wird innerhalb der Handlung dadurch erzeugt, dass Matilda immer neue Feinde hat, mit denen sie es aufnehmen muss. In der Schule ist Frau Knüppelkuh der Schrecken aller Schüler und Lehrer. Ihre Figur hat mich auch in der Verfilmung als Kind schon mitgenommen, denn sie ist nicht nur eine furchteinflößende Person, sondern wendet auch Gewalt gegen ihre SchülerInnen an.

Frau Knüppelkuh […] war ein Riesenweib, ein heiliger Schrecken, ein wildes, tyrannisches Ungeheuer, das Kinder und Lehrer gleichermaßen in Panik versetzte. (S. 75)

Die Gewalt gegen ihre SchülerInnen ist zwar durchaus beängstigend, den jungen Lesern aber durchaus zumutbar, weil man weiß, dass Matilda sich schon einen witzigen Denkzettel für sie einfallen lassen wird. So bestraft Frau Knüppelkuh zum Beispiel einen Schüler damit, dass er einen ganzen Schokoladenkuchen essen muss, oder ein Mädchen, indem sie es an den Zöpfen über den Zaun wirft. Was wirklich Angst macht ist ihr Folterinstrument, auch Luftabschneider genannt (ein kleiner Schrank, der mit Glasscherben gespickt ist und in den die SchülerInnen stundenlang eingesperrt werden).

„Du schwachsinnige kleine Schnecke!“, zischte die Knüppelkuh. „Du hirnloser Hornochse! Du hohlköpfiger Hamster! Du dummerhaftiger Dreckskerl.“ (S.165)

Wie alle Roald Dahl Bücher hat auch Matilda magische Elemente. Sie kann Gegenstände bewegen, was ihr oft von Nutzen ist. Meiner Meinung nach hätte Dahl das Magische hier auch weglassen können, denn Matilda braucht im Grunde keine Magie, sondern nur ihren Verstand, um es den Erwachsenen heimzuzahlen. Trotzdem hat gerade das auch dazu beigetragen, dass die Geschichte durchgehend spannend, unterhaltsam und witzig blieb.

Dahls Sinn für wohlklingende und gleichzeitig kindgerechte Sprache macht Matilda zu etwas Besonderem. Ich habe mich in der Geschichte und seinem leichten Schreibstil verloren und war überrascht, als ich am Ende der letzten Seite angekommen war, denn man fliegt nur so über seine schönen Worte hinweg und kann sich in ihnen völlig verlieren. Die Illustrationen von Quentin Blake sind ebenso wunderbar und bringen Dahls bildhafte Sprache visuell auf den Punkt. Quentin Blake hat schon die vorherigen Büchern von Dahl illustriert und es geschafft, für jede Geschichte mit seinen Zeichnungen eine besondere Stimmung zu schaffen.

Fazit & Bewertung

Matilda ist eine Kinderbuchheldin, die es auch mit der frechen Pippi Langstrumpf locker aufnehmen könnte! Durch ihren hellwachen Verstand, ihre wohlüberlegten Streiche und ihre wundersamen Fähigkeiten hat sich Matilda in mein Leserherz geschlichen (und nicht zu vergessen wegen ihrer Liebe zu Büchern). Ein Kinderbuchklassiker, der witzig, abwechslungsreich und durchgehend spannend ist. Lest diese Buch! Lest Roald Dahl!


Bibliographie

Roald Dahl: Matilda

Altersempfehlung: Ab 10 Jahren

Verlag: rowohlt

Erscheinungsdatum: 26.08.2016

ISBN: 978-3499217616

Seiten: 272

 

 

Welche Bücher von Roald Dahl habt ihr schon gelesen?

Advertisements

3 Kommentare zu „„Matilda“ von Roald Dahl

  1. Wie schön! Gelesen habe ich es noch nicht, aber den Film hab ich auch schon das ein oder andere Mal gesehen 🙂 Von Dahl habe ich daheim auch noch die gesammelten Küsschen Küsschen Geschichten. Da bin ich auch schon gespannt drauf 🙂

    1. Hey! Die „Küsschen Küsschen“ Geschichten hab ich noch nicht gelesen. Das sind aber glaube ich auch keine Kindergeschichten oder? Ich kann dir das Buch „Matilda“ auf jeden Fall auch nur empfehlen:)
      Liebe Grüße
      Svenja

      1. Nein, Kindergeschichten sind das nicht. Eher etwas abstrus, soweit ich weiß. 😀 Matilda merke ich mir auf jeden Fall für die kälteren Tage vor ♥

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s