Rezension

„#herz leer – was ich noch sagen wollte“ von Lena Gorelik (u.a.)

Liebe Bücherwürmer!

Kurzgeschichten sind im Jugendbuchbereich eher selten vertreten und dabei gibt es so viele gute Gründe sie zu lesen! Kurzgeschichten sind kurze Lesehäppchen für Zwischendurch, die sich bequem in einer Mittagspause oder am Abend lesen lassen. Sie bieten für den Leser eine gewisse Herausforderung mitzudenken und auch über das Ende hinaus darf gerne noch über die Geschichte nachgegrübelt werden.  Der Höhepunkt der Geschichte lässt meist nicht lange auf sich warten und als Leser ist man durch die verkürzte Form viel näher an der Handlung! Einen neuen Kurzgeschichtenband kann ich euch zum Einstieg in die literarische Form nur ans Herz legen: #herz leer – was ich noch sagen wollte bietet acht Geschichten verschiedener Autorinnen, die sich dem Thema tragischer Liebe auf unterschiedliche Weise nähern und damit wunderbar aufwühlende Geschichten produzieren.

Inhalt

Acht Autorinnen nähern sich in #herz leer – was ich noch sagen wollte dem Thema jugendlicher Liebe auf ganz unterschiedliche Weise. Liebe kann romantisch, intensiv und leidenschaftlich, aber auch schmerzlich, unerwidert oder von Verlusten geprägt sein. Ob auf einem Festival, einer Party, auf der Arbeit oder in einer Buchhandlung – die Liebe wartet an den unterschiedlichsten Orten und überfällt die Protagonisten und Protagonistinnen, wenn sie es am wenigsten erwarten. Doch was bleibt, wenn die Liebe geht?

Meine Meinung

An #herz leer – was ich noch sagen wollte hat mich besonders das Thema der letzten romantischen oder tragischen Nachricht gereizt, das schon im Titel anklingt. Ich habe mich gefragt, auf welche Weise das Ende einer jugendlichen Liebe erzählt werden kann, sodass es mich emotional überzeugt. Um nicht zu viel vorwegzunehmen, habe ich mir drei Geschichten des Erzählbandes ausgesucht, die ich euch hier näher vorstellen möchte.

  • Lena Gorelik – Die letzte Nachricht

Du und ich, und wie du mich angesehen hast, vorher. Und wie wir Freundinnen wurden oder auch nicht, und wie ich mehr wurde und du nicht. (S. 15)

Die letzte Nachricht ist ein großer Liebes- und Abschiedsbrief zugleich. Die namenlose Ich-Erzählerin der Geschichte schildert die besondere und innige Beziehung zu ihrer besten Freundin und gibt nach und nach immer mehr von der heimlichen lesbischen Liebe zu ihr preis. Gleichzeitig ist jeder Satz der Erzählung von einer großen Traurigkeit der Ich-Erzählerin durchzogen, denn die Liebe wird scheinbar unbewusst erwidert, aber offensichtlich geleugnet. Lena Gorelik schafft in ihrer Geschichte eine wunderschöne, schon fast literarisch anmutende Atmosphäre, die auf wenigen Seiten großen Liebesgeschichten durchaus das Wasser reichen kann. Eine melancholische Geschichte, die einen betroffen macht und gleichzeitig vor Schönheit aufseufzen lässt.

  • Anke Weber – Herz Pogo

Organische Masse auf höchstem Energieverlust. Jeder für sich und dennoch ein einziges großes Wir. Wildfremde umtanzen mich. Das liebe ich an Festivals. (S. 34)

Nayra ist mit ihrer besten Freundin auf einem Festival und stößt zufällig während eines Rockkonzerts mit Jo zusammen. Jo ist aufmerksam und witzig und genau Nayras Typ! Sie verbringen gemeinsam den Tag, tanzen, küssen und genießen das Leben. Als ein Gewitter aufkommt und das Festival abgesagt werden muss, schwören Nayra und Jo sich wiederzusehen. Es kommt aber ganz anders… . Anke Webers Geschichte hat mich schon wegen des tollen Settings mitgerissen. Das bunte Festival auf dem sich die beiden Protagonisten kennenlernen, vermittelt pure Freiheit, Jugendlichkeit und Lebensfreude. Dass sich Jo und Nayra schon auf dem ersten Blick ineinander verlieben, wirkt hier ganz und gar nicht kitschig, sondern erfrischend realistisch und einfach romantisch. Eine kurzweilige Geschichte über eine zaghafte Liebe, die den Leser trotzdem bestürzt zurück lässt.

  • Sabine Schoder – Herzspieß

Kein noch so begabter Schriftsteller hatte mich darauf vorbereitet. Levis Wirklichkeit spielte jegliche Lyrik an die Wand. (S. 88)

Elva ist ein wahrer Bücherwurm und verbringt ihre Nachmittage am liebsten in ihrer eigenen Leseecke der Lieblingsbuchhandlung. Doch ihre Ruhe wird gestört, als Levi auftaucht, der Sohn der Buchhändlerin, und den Laden auf Vordermann bringen möchte. Levi schafft es, Elva ganz schön durcheinander zu bringen. Als ein Gerichtsvollzieher in der Buchhandlung auftaucht und droht den Laden zu schließen, beschließen sie gemeinsam die Buchhandlung zu retten. Doch Elva muss lernen, dass Glück oft nur sehr kurz währt… . Sabine Schoder hat mit Levi und Elva zwei Figuren geschaffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gerade die Tatsache macht aber ihr Aufeinandertreffen besonders interessant. Hier ist die Liebesgeschichte nur ganz zart angedeutet, die Tragik des Endes ist dafür jedoch umso drastischer. Mich hat die Geschichte fassungslos zurückgelassen, denn die Vorstellung einer letzten Nachricht auf diese furchtbare Art und Weise, ist schrecklich. Eine Geschichte, die nach einem netten Auftakt umso aufwühlender endet.

Fazit & Bewertung

#herz leer – was ich noch sagen wollte hat mich ziemlich mitgenommen, aber im positiven Sinne. Alle Geschichten sind auf ihre Weise herzerwärmend und realistisch, gleichzeitig aber wahnsinnig tragisch. Die acht Autorinnen der Kurzgeschichten schaffen es unglaublich einfühlsam die Stimmung und Gefühle ihrer jugendlichen Protagonisten und Protagonistinnen einzufangen und den Leser mit dem Gedanken zu entlassen: Das darf nicht das Ende sein!

Eure


Bibliographie

Lena Gorelik (u.a.): #herz leer – was ich noch sagen wollte

Altersempfehlung: Ab 13 Jahren

Verlag: Oetinger

Erscheinungstermin: März 2017

ISBN: 978-3-789104954

Seiten: 224

Lest ihr gerne Kurzgeschichten?

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18 Kommentare zu „„#herz leer – was ich noch sagen wollte“ von Lena Gorelik (u.a.)

  1. Hallo 🙂
    Einen schönen Beitrag hast du geschrieben! Leider sind zwar momentan tragische Liebesgeschichten eher nicht meine Wunschlektüre, aber die Geschichten klingen wirklich interessant und einfühlsam.
    Ich persönlich lese gar keine Kurzgeschichten, aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, kann ich gar nicht genau sagen, warum das so ist. Vielleicht sollte ich das mal ändern…!

    Liebe Grüße & noch einen schönen Abend!
    Inês von Buchpuzzle

    1. Hey Inês!
      Dankeschön! Mir ging es ähnlich wie dir. Kurzgeschichten? – die sind mir zu schnell vorbei ☺️ Aber tatsächlich hat gerade die Kürze ziemlich viel Schwung in die Geschichten gebracht! Das tragische muss man natürlich mögen, aber ich kann dir versuchen, dass ich mit derselben Einstellung wir du an das Buch herangegangen bin und ich fand es toll ☺️
      Liebe Grüße
      Svenja

  2. Ab und an lese ich Kurzgeschichten sogar ganz gern. Aber stimmt schon, im Jugendbereich sind die eher selten vertreten. Zumindestens habe ich die gleiche Beobachtung gemacht.
    Dieses Buch kannte ich noch gar nicht, danke für den Tipp!

    Liebe Grüße
    Patricia

    1. Liebe Patricia,
      ich freue mich, dass ich dich auf einen Kurzgeschichtenband im Jugendbuchbereich aufmerksam machen konnte 🙂 Ich kenne tatsächlich auch nicht viele und freue mich immer über Tipps!
      Liebe Grüße
      Svenja

  3. Schöner Beitrag mit tollen Fotos. Ich kenne gar keine Kurzgeschichten im Jugendbuchbereich. Aber eigentlich ist das für Lesemuffel doch wohl ideal, oder?
    Ich werde den Beitrag mal meinen Töchtern zeigen…
    Viele Grüße
    Silvia

    1. Hey Silvia!
      Das stimmt, Kurzgeschichten sind für Lesemuffel wirklich ideal, weil sie auf wenigen Seiten Spannung erzeugen können. Ich würde mich freuen, wenn eine deiner Töchter sich für den Band begeistern könnte.
      Liebe Grüße
      Svenja

    1. Hey Nicci!
      Vielen lieben Dank! Liest du denn gerne Kurzgeschichten? Ich lasse mir immer gerne Tipps für andere Bände geben 🙂
      Liebe Grüße
      Svenja

      1. Hey Svenja,
        ich habe bisher nur die Sonnenglut Anthologie gelesen und von daher kaum Erfahrung im Bezug auf Kurzgeschichten. Das Büchlein gefiel mir aber ganz gut, es war ein Mix aus Fantasy, Romance, New Adult, Erotik und ganz nett für zwischendurch. 🙂

  4. OMG, das Buch ist wunderschön und die Geschichten die du herasugeipickt hast klingen alle drei zauberhaft. Ich liebe Sammlungen mit Kurzgeschichten, weil sie oft so viel intensiver sind und sich ebena uch mal lesen lassen, wenn nicht so viel Zeit da ist. Danke für diese tollen Tipp. glg Franzi

    1. Liebe Franzi,
      das freut mich, dass dich #herz leer angesprochen hat! Ich fand auch gerade das Genre der Kurzgeschichte richtig gut und eine schöne Abwechslung zu den dicken Schmökern, die ich sonst oft lese (derzeit „Der Herr der Ringe“ :D) Obwohl ich sonst selten Kurzgeschichten lese, halte ich jetzt wieder mehr die Augen danach offen 🙂
      Liebe Grüße
      Svenja

  5. Ich mag deine Einleitungen zur Rezension wirklich sehr gerne. Das musste ich jetzt mal loswerden. 🙂

    Kurzgeschichten sind auch nicht so meins, aber du hast mich jetzt auf den Geschmack gebracht. Das Buch wandert mal auf meine Geburtstagswunschliste, hihi. Das Cover sieht auf deinem Foto viel besser aus, als in der online Version. Normalerweise ist das ja eher anders herum. 😀

    1. Ach, das ist ja nett von dir 🙂 Ich freue mich gerade sehr, dass dir meine Einleitungen gefallen (das hat tatsächlich noch nie jemand gesagt :D, hehe). Meinst du das Cover des Ebooks, das dir nicht so gefällt? Ich glaube die sind bei diesem Buch fast identisch oder? 🙂 Ich habe aber ehrlich gesagt noch nie wirklich auf die Unterschiede geachtet 😀
      Liebe Grüße
      Svenja

      1. Sorry, ich war gestern ein wenig verpeilt. Was ich meinte war, dass Cover im Netz (Verlagsseiten, Amzon usw) oft richtig toll aussehen und dann in echt eher enttäuschen. Bei diesen sieht aber die online Version recht fad aus. ^^

      2. Achso, ja das stimmt! Ich hatte auch mit dem Cover von der Verlagsseite so meine Probleme, weil es jetzt in der Bibliographie ganz andere Farben zeigt als im Original (aber in meinem Beitragsbild kann man die richtigen Farben gut erkennen). Ich weiß auch micht, warum dass manchmal so komisch ist… aber gott sei dank, hatte ich die Probleme bisher nicht so oft :).
        Liebe Grüße
        Svenja

  6. Eigentlich bin ich gar nicht so der Kuzgeschichten-Leser, aber jetzt bin ich total neugierig! Das klingt einfach absolut nach meinem Geschmack und ich glaube, dass wird als nächstes im Einkaufskorb landen 🙂 Ich liebe süße, romantische und ein bisschen (nicht übertrieben) kitschige Liebesgeschichten die einfach trotzdem echt wirken, als ob sie einem selbst passiert sein könnten.
    Wirklich schöne Rezension, danke ♥
    Liebste Grüße,
    Jenny

    1. Liebe Jenny!
      Genau so sind die Kurzgeschichten auch, romantisch, gefühlvoll aber auch tragisch (was sie für mich gerade so lesenswert machen) Solltest du sie dir zulegen, wünsche ich dir auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen!
      Liebe Grüße
      Svenja

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