Rezension

„Die Schöne und das Biest“ von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve

Ihr Lieben,

passend zum Start der neuen Realverfilmung von Disneys „Die Schöne und das Biest“, habe ich das ursprüngliche Märchen von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve gelesen. Erstmalig veröffentlicht im Jahr 1740, hat das Märchen bis heute nichts von seiner Faszination und Romantik verloren und dient auch noch knapp drei Jahrhunderte später zahlreichen Adaptionen im Film, Theater und Musical als Vorlage. Ich zeige euch, was mir im Märchen besonders gut gefallen hat und worin es sich im Gegensatz zum Disneyfilm unterscheidet.

Inhalt

Ein armer Kaufmann, Vater von sechs Söhnen und sechs Töchtern, gerät auf seinem Weg durch den Wald in einen Schneesturm und verirrt sich. Er sucht Zuflucht in einem verwunschenen Schloss, dessen Hausherr ein furchterregendes Biest ist. Weil der Kaufmann im Schlossgarten eine Rose für seine jüngste und schönste Tochter pflückt, bestraft das Biest ihn und fordert die schöne Tochter als Preis für die Rose. Die Schöne willigt ein und muss fortan mit dem Biest in seinem Schloss leben, wo die Tage ihr durch bedienstete Affen, bunten Papageien und einem Spiegel, der alle Theater- und Opernaufführungen der Welt zeigt, versüßt werden. Doch des nachts sieht die Schöne in ihren Träumen einen gutaussehenden jungen Mann, der sie um Erlösung bittet. Immer stärker wird ihr Heimweh und trotz der guten Gespräche mit dem Biest, sehnt sie sich nach ihrer Familie. Das gütige Biest lässt die Schöne für zwei Monate zurückkehren und gerät dadurch selbst in Lebensgefahr, denn was die Schöne nicht weiß ist, dass das Biest von ihr erlöst werden muss.

Meine Meinung

Schon beim ersten Anblick habe ich mich in die prunkvoll gestaltete Neuauflage des alten Märchens verliebt! Wunderschön designt von den Künstlern MinaLima, welche auch schon „Harry Potter: Der große Filmzauber“ gestaltet haben, erstrahlt das Cover in einem auf alt gemachten Glanz und birgt auch im Inneren zahlreiche tolle Extras zum Aufklappen, Drehen und Entfalten. Dieses Buch musste ich einfach haben! Bis zur Entdeckung dieses Schmuckstücks, wusste ich gar nicht, dass der gleichnamige Disneyfilm auf dieses alte Märchen beruht. Umso interessanter war beim Lesen zu sehen, welche Details bei der Adaption verändert wurden.

Anders wie im Disneyfilm, hat die Schöne im Märchen fünf Schwestern. Alle fünf sind auf die makellose Schönheit der jüngsten Schwester, auf ihre Güte, ihre Herzlichkeit und ihrer Eigenschaft, selbst in Armut glücklich zu sein, eifersüchtig. Die Eifersucht der Schwestern war an manchen Stellen etwas übertrieben, dient aber dazu hervorzuheben, wie „anders“ die Schöne im Gegensatz zu ihren Schwestern ist, weshalb man sie als Leser auch schnell ins Herz schließt.

Sie war von vollkommener Schönheit und wegen ihres freundlichen Wesens unendlich liebenswert. Aus all ihren Worten und Taten sprach ein großzügiges, empfindsames Herz. (S. 17f.)

Der Vater ist seiner schönsten Tochter besonders zugetan und will ihr deswegen gerne den Wunsch nach einer Rose erfüllen, wofür er von dem Biest bestraft wird. Hier habe ich mich ein bisschen darüber gewundert, wie wenig Widerstand der Vater im Märchen leistet, als das Biest seine Tochter fordert. Im Disneyfilm wird der Vater schon aufgrund seines Eindringens ins Schloss in den Kerker geworfen und wehrt sich massiv. Sowohl im Märchen, als auch bei der Verfilmung ist es aber die mutige Schöne, die den Platz des Vaters freiwillig einnimmt. Ein großer Unterschied zwischen Märchen und Disneyfilm besteht darin, dass die Schöne im Märchen die Gesellschaft des Biests eigentlich von Anfang an genießt und gar nicht versucht zu fliehen. Im Film muss Belle sogar einmal vom Biest vor hungrigen Wölfen gerettet werden und erst danach verbessert sich ihr Verhältnis.

„Ich wusste nicht, wie sehr ich dich liebe, bis die Sorge um dich mir bewies, dass stärkere Bande als Dankbarkeit mich mit dir verbinden.“ (S. 105f)

Das verwunschene Schloss im Märchen hat mir besonders gut gefallen. Hier gibt es einen Saal, in dem die Schöne durch verschiedene Fenster die ganze Welt beobachten kann. Im Buch ist das toll durch aufklappbare Fenster mit Spiegelelementen dargestellt (und das ist nur eins von vielen wunderbaren Extras, die die Geschichte ergänzen). Der Schönen kann im Schloss gar nicht langweilig werden, weil sie so viel zu entdecken hat. Ich fand es absolut schön, mich in die Lage der Schönen hineinzuversezten und gedanklich durch die prachtvollen Hallen des Schlosses zu streifen. Komischerweise hatte ich dabei selten die Bilder des Disneyfilms vor Augen.

Und sie machte sich auf, die zahlreichen Säle des Palastes zu erkunden. Der Anblick, der sich ihr bot, verzauberte sie – nie hatte sie etwas Wundervolleres gesehen. (S. 58)

Im Märchen wird das Böse durch eine Fee verkörpert, die dem Prinzen die Gestalt eines Biests gegeben hat. Ganz anders ist dabei aber, dass die gesamte Geschichte des Biests bis zu seiner Verwandlung und die verworrene Geschichte der Fee am Ende der Geschichte nachgereicht wird. Erst in den letzten beiden Kapiteln des Märchens zeigt sich, dass jede Begegnung von der Schönen und dem Biest in einem großen vorhergesagten Zusammenhang stand. Das hat mich ein bisschen irritiert und teilweise war ich mir zwischendurch nicht sicher, ob ich alle Verbindungen verstanden hatte. Im Disneyfilm hingegen ist Gaston der böse Gegenspieler, der dem Biest nach dem Leben trachtet. Um ihn wird keine komplizierte Hintergrundgeschichte gesponnen, denn er dient nur dem Zweck eine Dreiecksbeziehung zwischen Belle, dem Biest und ihm entstehen zu lassen, was ich aber auch ziemlich spannend fand.

Am Schreibstil der Autorin erkennt man sehr gut das Alter des Märchens. Gestelzte und sehr gewählte Ausdrucksformen machen jeden Satz zu einem Gedicht für alle, die die Kunst der Sprache lieben. Ich kann das Buch also nicht nur wegen der grandiosen Gestaltung und der zeitlosen romantischen Geschichte empfehlen, sondern auch wegen der altertümlichen und wunderschönen Ausdrucksweise.

Fazit & Bewertung

Das Jahrhunderte alte Märchen von „Die Schöne und das Biest“ hat mich besonders wegen der tollen Sprache von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve begeistert. Der tolle historische Schreibstil in Kombination mit den wunderbaren Illustrationen machen die Geschichte, die eigentlich jeder kennt, noch einmal auf eine andere Art und Weise zu einem echten Erlebnis. Eine romantische Geschichte, die schon Generationen von Menschen gefesselt hat und jetzt in neuer Aufmachen hoffentlich viele weitere Generationen überdauern wird.


Bibliographie

Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve:                               Die Schöne und das Biest

Verlag: Coppenrath

Erscheinungsdatum: 02.03.2017

ISBN: 978-3649624745

Seiten: 208

Welches Märchen hat euch in der Kindheit am meisten beeindruckt?

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2 Kommentare zu „„Die Schöne und das Biest“ von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve

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