Rezension

„Vergissmeinnicht war gestern“ von Ilke S. Prick

Hallo zusammen!

Wer bei den derzeitigen Wintertemperaturen am liebsten schon den Frühling herbeisehnt und Lust auf bunte Blumen und Gartenarbeit hat, sollte sich den Roman „Vergissmeinnicht war gestern“ von Ilke S. Prick nicht entgehen lassen. Ein Buch, das Mut macht einen Neuanfang zu wagen, Wurzeln in fremder Umgebung zu schlagen und Freunde zu finden, wo man sie nicht erwartet.

Inhalt

Gerade war noch alles perfekt. Marieke hatte eine glückliche Beziehung, einen festen Job und ein gemütliches Sofa. Doch dann erfährt sie, dass Jochen eine Andere hat und auf einmal steht Marieke mit Mitte vierzig und siebzehn Umzugskartons in einer fremden Wohnung und ist Single. Noch einmal von vorne beginnen? Das war nie Mariekes Plan, doch mit der tatkräftigen Unterstützung ihrer Nachbarinnen, versucht sie ihre Träume wieder aufleben zu lassen. Je glücklicher sie wird, desto interessanter wird sie wieder auch für Jochen…

Meine Meinung

Der Insel Verlag, hat mir „Vergissmeinnicht war gestern“ von Ilke S. Prick zukommen lassen und ich muss sagen, dieses Buch ist ein wahrer Schatz!

Das Setting des Romans hat mir sehr gut gefallen. Marieke ist in einen Wohnblock gezogen mit mehrere Parteien im Hinter- und Vorderhaus. Sie selbst hat von ihrer Wohnung aus einen guten Blick auf die Fenster der Nachbarn, wodurch sie es sich zur Gewohnheit macht, die Nachbarn zu beobachten und ihnen nach ihren jeweiligen Eigenarten Namen zu geben: Da gibt es die Schwester, den Radler, das Phantom oder Schneewittchen. Sie alle leben ein Leben, dass Marieke im Moment nicht hat.

Wer im Haus mitbekommen hatte, wie oft sie nachts auf der Fensterbank in der Küche saß, müsste sich doch fragen, was sie da eigentlich tat und wen sie beobachtete. Würde ihr jemand glauben, wenn sie antwortete: im Grunde mich selbst? (S. 61)

Doch die Nachbarn bleiben nicht lange Fremde für Marieke. Schnell lernt sie, wie hilfsbereit die Menschen um sie herum sind und dass der Wohnblock wie eine große Familie ist. Mariekes neues Umfeld tut ihr in ihrer Situation gut und ist ein wesentlicher Wohlfühlfaktor im ganzen Roman. Als Leser möchte man am liebsten mit dabei sein, wenn die Nachbarn wieder eine kleine Party im Hinterhof schmeißen, umgeben von blühenden Gärten, um die sie sich gemeinschaftlich kümmern.

Im Roman spielt der Garten des Wohnblocks für die Gemeinschaft eine große Rolle und auch als Leser lernt man dadurch viel über das Heranziehen von Blumen und Kräutern. Jedes Kapitel des Romans trägt den Namen einer Blumenart, die dann auch in der Handlung vorkommt und von Bedeutung ist. Die Idee ist außergewöhnlich und hat mir sehr gut gefallen, da ich sie so noch nie in einem Buch gesehen habe.

Die Charaktere des Romans sind von Prick mit einer Tiefgründigkeit ausgestattet, die mich sehr angesprochen und bewegt hat. Marieke, die Protagonistin, ist einsam, hat Liebeskummer und wird melancholisch nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat. Es zeugt von einem sehr starken Charakter, dass Marieke den Mut aufbringt ihre Sachen zu packen und auszuziehen, während ihr Mann nicht da ist. Sie macht kurzen Prozess mit jemandem, der ihre Liebe nicht verdient hat und besonders dieser Mut ist eine Eigenschaft, die viele Menschen in ihrem Leben beherzigen sollten. Schon Mariekes Wille ihr Leben zu ändern, kann Frauen Mut machen, die vor einem ähnlichen Scheideweg in ihrem Leben stehen. Jochen hat es nicht verdient, dass Marieke wegen ihm eine Träne vergießt. Natürlich tut sie es trotzdem und gerade an Feiertagen wie Silvester, ist die Trauer und die Einsamkeit umso größer. Marieke wirkt deswegen sehr menschlich und man kann sich als Leserin, selbst als jüngere Leserin, sehr gut mit ihr identifizieren. Ihre Gedanken und Traurigkeit werden in einem inneren Monolog ausgedrückt, der an vielen Stellen sehr bewegend ist.

Erneutes Klopfen. Marieke wappnete sich für das, was unüberhörbar und voller Elan ihre Tristesse entern wollte und vermutlich wild entschlossen war, aus dem Handbuch für seelische Notfälle eine passende Lösung […] herauszusuchen. (S. 16)

Mariekes Schwester Alexandra und ihrer Freundin Babette sind als Gegensatzpaar angelegt (man möchte fast sagen, als Engelchen und Teufelchen, die auf Mariekes Schultern sitzen und ihr Tipps in Sachen Jochen geben). Mariekes Schwester Alexandra gibt ihr Psychotipps wie sie Jochen zurückgewinnen kann, Babette hingegen rät Marieke ein neues Leben zu beginnen. Schade, dass Babette nur über Skype in Erscheinung tritt, denn sie ist eine sehr sympathische Figur, von der ich gerne mehr gelesen hätte und die Marieke auch gut an ihrer Seite brauchen könnte.

Es gibt diese Freundinnen, mit denen ist es wie Liebe auf dem ersten Blick, nur besser. Mit denen geht es durch dick und dünn, in Sackgassen und wieder heraus, in guten wie in schlechten Zeiten. (S.32)

Ihr Fehlen wird allerdings von den liebenswürdigen Nachbarinnen Susann und Nada aufgefangen, die Marieke herzlich in die Gemeinschaft der Nachbarn aufnehmen und ihr mit Rat und Tat für ihren Neuanfang zur Seite stehen.

Die Handlung des Romans „Vergissmeinnicht war gestern“ ist durchgehend ansprechend. Mariekes innere Monologe und ihre Gedanken über ihre Vergangenheit, ihr jetziges Leben und ihre Zukunft, lassen die Handlung zwar in dem Sinne nicht fortschreiten, trotzdem habe ich diese gedanklichen Pausen sehr genossen und Mariekes Tiefgründigkeit als sehr erfrischend empfunden. Ich habe mich in jeder Phase von Mariekes Neuanfang mit ihr verbunden gefühlt, gespürt und mich gefreut, wie sie begonnen hat neue Wurzeln zu schlagen, Freundschaften zu knüpfen und mehr und mehr Jochen und ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Pricks Schreibstil und verwendete Sprache ist sehr ausführlich und bildhaft und damit äußerst angenehm zu lesen. Ich hätte noch viele weitere Zitate nennen können, weil es einfach so viele schöne Stellen im Roman gab, bei denen ich kurz aufgeseufzt habe.

Er war da und hat dich begleitet. Auf seine eigene, merkwürdig schweigsame Art. Nur manchmal hört man es leider nicht, wenn Menschen einen leise lieben, ohne viele Worte. (S.245)

Fazit & Rezension

„Vergissmeinnicht war gestern“ von Ilke S. Prick ist ein herzerwärmender Roman, der zeigt, dass man in jeder Situation, sollte sie noch so ausweglos sein, Wurzeln schlagen kann für einen Neuanfang. Fünf Sterne für eine wunderschöne Geschichte, die mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht.

fuenf-sterne


ilke-s-prick-vergissmeinnicht-war-gestern_pan-tau-books-ein-buchblogIlke S. Prick: Vergissmeinnicht war gestern

Verlag: Insel

Erscheinungsdatum: 14.11.2016

ISBN: 978-3458361886

Seiten: 257

kringel

Habt ihr schon einmal einen Roman gelesen, der so schön war, dass euch richtig warm ums Herz wurde?

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2 Kommentare zu „„Vergissmeinnicht war gestern“ von Ilke S. Prick

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