Rezension

„Die Netten schlafen allein“ von Steffen Weinert

Hallo ihr Lieben!

Ich hatte das große Glück von Steffen Weinert für seinen neuen Roman „Die Netten schlafen allein“  als Rezensentin ausgewählt zu werden. Gerne stelle ich euch heute die humorvolle Geschichte um den Mittdreißiger Christoph vor, bei dem es mit den Frauen so gar nicht klappen will.

Inhalt

Christoph ist Experte in Sachen Liebeskummer. Dabei ist er eigentlich der perfekte Mann und mag sogar Kinder, was er in seinem Job als Erzieher tagtäglich unter Beweis stellt. Als selbst sein zurückhaltender Kumpel Zwenn eine feste Freundin hat, weiß Christoph, dass er sein Leben ändern muss. Ausgerechnet der elfjährige Nachbarsjunge will ihm dabei helfen und gibt Flirt-Tipps, die sein Leben auf den Kopf stellen.

Meine Meinung

„Die Netten schlafen allein“ ist mein erster Roman, den ich von Steffen Weinert gelesen habe. Obwohl ich an vielen Stellen die witzigen Szenen zu überladen fand, hat mir die Idee für die Geschichte sehr gut gefallen.

Der Protagonist Christoph wird auf den ersten Seiten als Jammerlappen und Unglücksrabe eingeführt. Er fällt auf die Knie und bettelt, als seine Freundin ihre Beziehung beendet.

Innerhalb kürzester Zeit hat Inga nicht nur unsere Beziehung zerstört, sondern auch unser ungezeugtes Kinde auf dem Gewissen. Und da hat sie tatsächlich noch den Nerv, mich zu fragen, ob ich mit ihr befreundet sein will? (S. 8)

Als Erzieher im Kindergarten tanzen ihm die Kinder auf der Nase herum und die Schikane seiner Chefin lässt er ohne Widerworte über sich ergehen. Auf mich hat Christoph zu Beginn daher den Eindruck eines wehleidigen und tölpelhaften Versagers gemacht, der mich ein bisschen an Simon aus Tommy Jauds „Vollidiot“ erinnert hat. Ich konnte mich zunächst nur recht schwer an Christophs zart besaitete und leicht naive Art gewöhnen.

Ich lasse das mit den Frauen am besten ganz und werde Mönch. (S. 70)

Dennoch hat Christoph mich als Figur überzeugt, denn er pflegt trotz seines verweichlichten Charakters noch wahre Männerfreundschaften und sitzt abends in der Kneipe, wo er seinen Liebeskummer mit Alkohol und nonverbalen Gesprächen zu überwinden versucht.

Christophs Kumpel Hendrik und Zwenn fand ich oft sogar noch witziger als die Hauptfigur. Sie spielen in Christophs Leben zwar nur bedingt eine Rolle, aber wenn sie auftreten, waren die Situationen mit ihnen wirklich amüsant. So beispielsweise als Hendrik erzählt, dass er sein Kind mit einem Brustimitat stillt und Christoph und Zwenn absolut geschockt reagieren:

 Die Geschichte von Hendriks Brustimitat hat mich irgendwie aus der Spur gebracht […] und mir vor Augen geführt, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die der menschliche Geist nicht fassen kann. (S.38)

In der zweiten Hälfte des Romans wird deutlich, dass nicht nur Christoph Schuld daran ist, dass in seinem Leben so viel schief geht. Ihm werden neben seinen beiden Kumpel, Figuren an die Seite gestellt, die das Chaos fördern und die ihr Leben selbst nicht in den Griff bekommen. Der Vater von dem Nachbarsjungen Emil ist ein frauenfeindlicher Fiesling, der sich von Feministinnen verfolgt fühlt und auch die Zahnärztin Pandora entpuppt sich als gefühlslose Fetischliebhaberin. Emil hingegen tritt genau zum richtigen Zeitpunkt in Christophs Leben. Emil wirkt sehr sortiert und erwachsen und ist daher das perfekte Gegenstück zu Christoph. Dass er Christoph Flirttipps geben will, weil sein Vater ein New Man Bootcamp betreibt und er deswegen Experte auf dem Gebiet der Anmache ist, fand ich eine ziemlich witzige Idee. Interessant ist auch, wie Christoph mehr und mehr eine Beziehung zu Emil aufbaut und dabei Verantwortung übernimmt, obwohl er gerade emotional tief in einer Lebenskrise steckt. Die Ernsthaftigkeit, die er dabei an den Tag legt, habe ich als erfrischend empfunden im Kontrast zu den aneinander gereihten komischen Szenen, die Christoph das restliche Buch über begleitet.

Die Handlung habe ich an vielen Stellen als zu vorhersehbar und überladen empfunden, so beispielsweise, als Christoph sich den Zahn, bei dem Versuch eine Flasche zu öffnen, abbricht oder als er aus der Zahnbehandlung kommt und aufgrund seiner Benommenheit fast dreimal gegen dieselbe Glastür läuft. Die witzigen Stellen gehen fast nahtlos ineinander über, was es fast unmöglich macht, einen komischen Höhepunkt der Geschichte zu erkennen. Meiner Meinung nach, hätte der Humor pointierter eingesetzt werden müssen, sodass die Handlung ihren Witz nicht durch zu viele Witze verliert. Man muss jedoch sagen, dass der Protagonist Christoph ja als eine absolut tölpelhafte Figur angelegt ist und gerade die sämtlichen Fettnäpfchen, in denen er tritt, seinen Charakter ausmachen und er dadurch für den Leser liebenswert wird.

Der Schreibstil ist kurz und knackig und passt meiner Meinung nach gut zum Wesen von Christoph, denn auch er ist nicht der Mann der vielen Worte und sein innerer Monolog ist so, wie man ihn sich als Frau bei einem Mann vorstellt: einfach und auf den Punkt gebracht. An einigen wenigen Stellen werden Christoph und seine Freunde geradezu erstaunlich poetisch:

Ich will nicht ständig unglücklich und frustriert sein und ein Leben in stiller Verzweiflung führen. Ich will auch mein Leben ändern und mein Ändern leben […]. (S. 51)

Während des Lesens hab ich daran gedacht, dass die Geschichte in der Art und Weise wie sie erzählt ist, als Film besser funktionieren würde. Später habe ich erst gesehen, dass Steffen Weinert sogar aus der Filmbranche kommt und als Drehbuchautor und Regisseur bereits einige Erfolge verzeichnen konnte. Ich finde, dass sich das im Schreibstil wiederspiegelt, was mich aber nach ein paar Seiten durchaus angesprochen hat.

Fazit & Bewertung

„Die Netten schlafen allein“ von Steffen Weinert ist ein netter Roman, den man gut zwischendurch lesen kann. Die Geschichte ist durchaus witzig. Jedoch wird Humor von jedem anders empfunden und für mich war der Roman daher ein wenig zu überladen. Trotzdem habe ich die Geschichte genossen und an so mancher Stelle laut gelacht.

Eure


Bibliographie

pan-tau-books-ein-buchblog_die-netten-schlafen-allein

Steffen Weinert: Die Netten schlafen allein

Verlag: Rowohlt Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 25.11.2016

ISBN: 978-3499272646

Seiten: 240

Habt ihr Buchempfehlungen für das Genre Humor?

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Ein Kommentar zu „„Die Netten schlafen allein“ von Steffen Weinert

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