Rezension

„Die Bibliothek der besonderen Kinder“ von Ransom Riggs

Hallo zusammen!

Endlich ist es da! Das spannungsgeladene Finale der „Besondere Kinder“-Trilogie von Ransom Riggs. Eins kann ich euch auf jeden Fall versprechen: „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ ist der durchaus würdige Abschluss einer wunderbaren Fantasy-Geschichte!

Inhalt

Jacob und Emma sind dank Jacobs besonderer Fähigkeit nur knapp einer Gefangennahme durch die Wights entkommen. Mit seelenlosen Hollows auf den Fersen, machen sie sich quer durch London auf die Suche nach ihren entführten besonderen Freunden und ihrer Headmistress, der Ymbryne Miss Peregrine. Die Spur führt sie in die Zeitschleife „Devil’s Acre“, wo in Slums geächtete Besondere ein gesetzloses Dasein fristen. Knapp einem mordlüsternen Mob entkommen, treffen Jacob und Emma auf Bentham, einem Wissenschaftler und Sammler. Bentham ist nicht nur im Besitz einer wertvollen Maschine, die Zugänge zu sämtlichen Zeitschleifen auf der Welt vereint, sondern er berichtet ihnen auch von Abaton, der sagenumwobenen „Bibliothek der Seelen“.

Meine Meinung

Ich habe die „Besondere Kinder“-Trilogie kurz vor dem Kinostart des ersten Films angefangen zu lesen, auch aufgrund der Empfehlung meiner Lieblings-Buchhändlerin. Die ersten beiden Bücher habe ich sofort verschlungen und ich war absolut begeistert von der geheimnisvollen Welt, die Riggs entwirft. Meine Erwartungen an den letzten Teil waren dementsprechend hoch und wurden auch nicht enttäuscht. „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ konnte mich als krönender Abschluss eines fantastischen Abenteuers überzeugen und ich würde mich freuen, wenn sich noch viele weitere Leser von dieser tollen Fantasy-Reihe fesseln lassen.

Das Setting dieser Geschichte übertrifft bei weitem alle bisherigen Orte, die Jacob und Emma auf ihrer Reise kennen gelernt haben. „Devil’s Acre“ ist eine Zeitschleife für den Abschaum unter den Besonderen. Huren, Verbrecher, Bettler, Drogenabhängige und Galgenbauer. Sie alle wohnen entweder in der Gosse, oder in zerfallenen Häusern an einem von Fäkalien und Tierkadavern stinkendem Kanal, dessen Wasser nicht nur als Trinkwasser dient, sondern in dem auch Kinder aus Spaß ihre Hunde ertränken.

„Wir hätten gerne drei Karten für die Fahrt zu diesem entsetzlichen, furchtbaren Ort, den Sie beschrieben haben.“ „Seid ihr ganz sicher?“, frage der Schiffer. „Unschuldige Lämmchen wie ihr kehren nicht immer von dort zurück.“ „Wir sind sicher“, sagte ich. „Also gut. Aber sagt hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.“ (S.71)

Riggs schafft es mühelos vor dem inneren Auge eine so faszinierend detailreiche und gleichzeitig abstoßende Welt heraufzubeschwören, dass man sich als Leser vorkommt, als sei man in Paris im 18. Jahrhundert. Die Gefahren, denen Jacob und Emma an diesem Ort ausgesetzt sind, scheinen so beängstigend vorhersehbar, dass man beide am liebsten mit den Fingerspitzen aus der Geschichte rauspicken und an einen besseren Ort wieder absetzen möchte.

An diesem Ort gab es nichts Natürliches, nichts Grünes, nichts Lebendiges – abgesehen von herumhuschendem Ungeziefer und den Kreaturen, die mit blutunterlaufenen Augen hinter Türöffnungen und unter Gittern lauerten und uns mit Sicherheit sofort angefallen hätten, wenn nicht unser hünenhafter, schwarz ummantelter Reiseführer bei uns gewesen wäre. Wir folgten dem Tod persönlich mitten in die Hölle hinein. (S. 108)

Riggs hat nicht nur einen extrem schaurigen Ort für seine Geschichte gewählt, sondern auch neue widerwärtig Charaktere entworfen, die nur an einem solchen Schauplatz existieren können. Die Besonderen in „Devil’s Acre“, sind nur noch Schatten ihres einzigen selbst. Ihrer Fähigkeiten beraubt, besteht ihr einziger Erhaltungstrieb darin, an die Droge Ambrosia zu gelangen. Ich finde die Drogenthematik hier einerseits passend, denn diese Figuren lassen Emmas und Jacobs Vorhaben zu einer unberechenbaren und durchweg spannenden Unternehmung werden. Andererseits hatte ich den Eindruck, dass das Thema Drogen so dominant war, dass keine neue sympathische Figur in die Geschichte eingeführt werden konnte. Selbst der Schiffer Sharon, der sozusagen unfreiwillig Verbündeter wird, ist nicht unbedingt ein angenehmer Charakter. Als ehemaliger Junkie besteht sein Gesicht nur noch aus Hautfetzen und bis zum Schluss ist man sich als Leser nicht sicher, ob ihm zu trauen ist oder nicht.

Dadurch dass die anderen besonderen Kinder in einem Gefängnis ausharren müssen, kommen sie in mehr als der Hälfte der Geschichte nicht vor. Das fand ich sehr schade, denn die Fähigkeiten der besonderen Kinder waren das, was die Geschichte bisher so zauberhaft gemacht hat. Das Märchenhafte wurde hier nun für ein finales Showdown durch das Düstere ersetzt, was ich aber angesichts der durchweg mitreißenden Geschichte verschmerzen kann. Sehr gut hat mir auch die Entwicklung von Jacobs Charakter gefallen. Er hat sich von einem ängstlichen Sonderling, der in der Menschenwelt keine Freunde hat, zu einem furchtlosen Hollowgwast-Bezwinger entwickelt, der seine Freunde tapfer anführen kann.

Da war sie: Die Festung der Wights. […] Dort war es: das, was ich tun sollte – oder mein Tod bei dem Versuch, es zu tun. Die Schuld, die ich begleichen musste. Das, wofür alle Freuden und Schrecken meines bisherigen Lebens ein Vorspiel gewesen waren. (S. 156)

Was das Buch auch zu einem besonderen Erlebnis macht, sind die alten Originalfotos, die immer wieder passend zur Geschichte abgebildet werden. Unheimliche Figuren in „Devil’s Acre“ erhalten dadurch ein Gesicht, das man so schnell nicht wieder vergisst, denn die Fotos sind zugleich beängstigend real und skurril unnatürlich.


                                                                     

Fazit & Bewertung

Die Geschichte überzeugt mit ihrem düsteren Setting, den mutigen Protagonisten und einem Spannungsbogen, der kein Ende findet. Einen Stern Abzug gibt es dafür, dass die besonderen Kinder kaum in Erscheinung treten, was meine Begeisterung für die Geschichte aber letztendlich nicht gemindert hat.

vier-sterne


Bibliographie

pan-tau-ein-buchblog_die-bibliothek-der-besonderen-kinderRansom Riggs: Die Bibliothek der besonderen Kinder

Verlag: Droemer Knaur

Erscheinungsdatum: 02.11.2016

ISBN: 978-3426520277

Seiten: 544

kringel

Wie hat euch Ransom Riggs Finale der Trilogie gefallen? Wenn ihr ein besonderes Kind wärt, welche Fähigkeiten hättet ihr?

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Ein Kommentar zu „„Die Bibliothek der besonderen Kinder“ von Ransom Riggs

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